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Über 700 Euro für's Türöffnen
Verbraucherschützer warnen vor Abzocke durch dubiose Schlüsseldienste

Trier/Mainz. Unternehmen servieren gepfefferte Rechnungen und spiegeln falsche Firmenadressen vor. Fälle gibt es auch in der Region. Wie können sich Verbraucher schützen?
Florian Schlecht

Es war ein unglücklicher Tag für das junge Pärchen aus dem Raum Trier. Die Wohnungstür fiel ins Schloss, der Schlüssel lag in der Wohnung. Per Handy suchten die Studenten nach einem Schlüsseldienst. Ein Monteur öffnete die Tür – und servierte eine gepfefferte Rechnung von 744,92 Euro.

Fälle wie diese laufen bei Verbraucherzentralen immer wieder ein. Verbraucherschützer warnen landesweit vor dubiosen Schlüsseldiensten, die horrende Forderungen stellen. „Wir hören von Fällen, in denen Notdienste mehr als 1000 Euro dafür aufrufen, eine Tür zu öffnen oder das Schloss auszutauschen“, sagt Christian Gollner von der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale. Er spricht von „mafiösen Strukturen“ und verweist auf einen Prozess im nordrhein-westfälischen Kleve, in dem Geschäftsführer eines Schlüsseldienst-Firmengeflechts wegen bandenmäßigen Betrugs angeklagt sind. Sie sollen bundesweit in mehr als 1000 Fällen Menschen abgezockt haben soll.

Gollner warnt davor, schnell im Internet nach Schlüsseldiensten zu suchen und sich von niedrigen Preisen täuschen zu lassen. Dubiose Notdienste spiegelten mit einer ortsnahen Telefonvorwahl gar nur vor, einen Betrieb in der Nachbarschaft zu haben. Die Bundesnetzagentur habe im vergangenen Jahr 52 000 solcher irreführender Nummern gesperrt. In vielen Fällen setzten Monteure unseriöser Firmen ihre Kunden unter Druck, das Geld vor Ort zu bezahlen. Rechnungen fielen plötzlich deutlicher höher aus, Reparaturen seien häufig mangelhaft.

Verbraucherschützer raten, sich bei Schlüsseldiensten am Landesschnitt zu orientieren. Danach kosten Türöffnungen in Rheinland-Pfalz an Werktagen gut 84 Euro, sonn-, feiertags und nachts rund 137 Euro. Verbraucher sollten Preise bereits am Telefon erfragen und seriöse Dienste vor Ort ermitteln. Bei Bedenken über hohe Rechnungen solle das Geld nicht sofort bezahlt werden, bei Nötigung könnten Verbraucher die Polizei rufen, sagt Gollner.

Das Landeskriminalamt führt zu Schlüsseldiensten keine expliziten Zahlen, geht aber von einer hohen Dunkelziffer aus, da viele Fälle nicht angezeigt würden. 111 Anfragen landeten dazu 2017 bei der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale, die darüber hinaus bei Handyspielen und Online-Streamingdiensten alle Hände voll zu tun hatte.

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