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Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz will energischer gegen Betrüger und Abzocker vorgehen

Trier/Mainz. Die Berater der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hatten im vergangenen Jahr keine Langeweile: Über 100.000 Menschen suchten bei ihnen Rat. Häufig ging es dabei um betrügerische Machenschaften im Internet. Bernd Wientjes

Wer ein E-Mail-Postfach hat, der kennt es: Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht eine dubiose Nachricht eintrifft. Etwa mit dem vermeintlichen Absender Telekom - zumeist mit dem Betreff "Ihre Telekom Mobilfunk Rechnung Online". Auch gehören vermeintlich Sparkassen oder Banken zu den Absendern - ebenso wie Internetversandhändler oder angebliche Anwaltskanzleien.Ahnungslose Verbraucher


Selbst unter der realen E-Mail-Adresse eines ahnungslosen Verbrauchers schickten die Ganoven fingierte Rechnungen und Mahnungen an Dritte, warnt die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Allen diesen E-Mails gleich ist, dass sie einen Anhang enthalten. Wer ihn öffnet, könnte ein Problem bekommen. Denn hinter dem Anhang verbirgt sich zumeist eine Schadsoftware, die sich beim Öffnen auf dem Computer installiert und dann die Daten ausspäht.
Viele der betroffenen Computer- und Smartphonenutzer seien mittlerweile vorsichtiger und misstrauischer geworden, sagt Renate Schröder von der Verbraucherberatung Trier. Trotzdem öffneten noch immer viele die Dateien und würden so Opfer von Datenklau. Der Beratungsbedarf zu diesem Thema sei noch immer hoch.
Das geht auch aus dem Jahresbericht der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hervor. Man wolle künftig noch energischer gegen betrügerische und unlautere Machenschaften vorgehen, sagte Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale. Daher habe man eine Kooperationsvereinbarung mit dem Landeskriminalamt geschlossen. "In der Beratung und bei der Strafverfolgung ergänzen sich unsere Angebote gut", so von der Lühe. Um vor allem Kinder- und Jugendliche vor der Abzocke per Internet oder unseriösen Apps fürs Smartphone zu schützen, bietet die Verbraucherzentrale in Grundschulen und an weiterführenden Schulen Informationsveranstaltungen an.Interaktives Quiz


Über 7500 Schüler seien so allein im vergangenen Jahr angesprochen worden, heißt es im gestern vorgestellten Jahresbericht.
Außerdem hat die Verbraucherzentrale ein interaktives Quiz entwickelt, um Jugendliche für den Datenschutz zu sensibilisieren. Zu finden ist es unter www.vz-rlp.de/datenschutz-quiz auf der Internetseite der Verbraucherzentrale.
Bei den 118 000 Beratungen der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz ging es im vergangenen Jahr aber nicht nur um Lug und Trug im Internet. Erstmals gingen die Verbraucherschützer mit Abmahnungen auch gegen irreführende Werbung vor.
So hat die Verbraucherzentrale bis Ende 2013 exakt 14 Unterlassungserklärungen von Firmen wegen unzureichender Angaben bei der Kennzeichnung des Energieverbrauchs von Elektrogeräten erwirkt.
Unverändert hoch sei der Beratungsbedarf zu Geld- und Anlagethemen. "Nach wie vor schildern Betroffene, von Finanzberatern nicht über Risiken aufgeklärt worden zu sein", sagt Sylvia Beckerle, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale. Eine Untersuchung mehrerer Verbraucherzentralen habe ergeben, dass viele Verbraucher nicht über die Anlageprodukte verfügen, die ihrem Bedarf entsprechen.