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Verwirrung um neue Untreuevorwürfe gegen Ring-Manager Kai Richter

Mainz. Der Nürburgring-Manager Kai Richter sieht sich mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Laut einem Zeitungsbericht soll er Millionen Euro des Steuerzahlers zweckentfremdet und für sich genutzt haben. Die Staatsanwaltschaft Koblenz ermittelt seit 2010 wegen des Verdachts der Untreue. Frank Giarra

Der Düsseldorfer Projektentwickler Kai Richter (44) galt einst als Hoffnungsträger beim Bau des umstrittenen Freizeitund Geschäftszentrums an der Eifel-Rennstrecke, das 330 Millionen Euro gekostet hat. Vorgestellt wurde er 2007 vom damaligen Finanzminister Ingolf Deubel als Investor. Doch nach TVRecherchen kam ans Licht, dass Richter nicht genug Geld hatte und über eine Tochter der landeseigenen Förderbank ISB 85,5 Millionen Euro bekam. Nun prasseln neue Vorwürfe auf den Manager ein, der seit Mai 2010 mit Hotelier Jörg Lindner als Betreiber der Ring-Anlagen fungiert und sich im Clinch mit dem Land befindet, das den Pachtvertrag gekündigt hat. Laut Handelsblatt soll Richter von den 85,5 Millionen Euro bis zu acht Millionen für sich sowie diverse Firmen, an denen er direkt oder indirekt beteiligt war, abgezweigt haben. Ein Gutachten der Staatsanwaltschaft Koblenz bestätige "wesentliche Mittelabflüsse". Richter will sich dazu auf Anraten seiner Anwälte nicht äußern. Die Staatsanwaltschaft Koblenz bestätigt nur, dass weiterhin gegen Richter wegen des Verdachts der Untreue ermittelt werde. Ein anderes Verfahren gegen ihn wegen der Mittelbeschaffung am Nürburgring ist jetzt nach Angaben von Richters Anwältin Renate Verjans von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Unterdessen schlägt Ministerpräsident Kurt Beck den gekündigten privaten Betreibern eine gütliche Einigung vor, um einen jahrelangen Rechtsstreit zu vermeiden. Sie besäßen außerhalb des Pachtvertrags einen Sondervertrag für die Hotels und das Feriendorf, den sie weiter erfüllen könnten, sagt Beck im Landtag. Das Land werde dann für die übrigen Anlagen neue Pächter suchen. Werde der Vorschlag zurückgewiesen, bleibe nur der Rechtsweg. CDU-Chefin Julia Klöckner griff bei der Haushaltsdebatte den Regierungschef wegen der Nürburgring-Affäre scharf an und legte ihm einen Rücktritt nahe. Die Öffentlichkeit und die Wähler seien getäuscht worden. Beck sei politisch und persönlich dafür verantwortlich.