| 20:41 Uhr

Viel Straße, wenig Schiene

Dass der vierspurige Ausbau der A 60 zwischen Winterspelt und Prüm – hier die Ourtalbrücke – im neuen Bundesverkehrswegeplan keine Rolle spielt, empfinden die Naturschützer als Lichtblick. TV-Foto: Archiv/Marcus Hormes
Dass der vierspurige Ausbau der A 60 zwischen Winterspelt und Prüm – hier die Ourtalbrücke – im neuen Bundesverkehrswegeplan keine Rolle spielt, empfinden die Naturschützer als Lichtblick. TV-Foto: Archiv/Marcus Hormes
Trier. Für Grüne und Umweltschützer ist der neue Bundesverkehrswegeplan eher ein Katalog des Grauens. Sie kritisieren, dass der Bund zu sehr auf Straßenprojekte wie etwa den A-1-Lückenschluss und den Moselaufstieg setze statt auf den Ausbau der Bahnstrecken. Bernd Wientjes

Trier. Es geht um 25 Kilometer. Und das seit Jahren. 25 Kilometer, die fehlen, um Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen über die A 1 zu verbinden. Immer wieder hat sich der Lückenschluss verzögert. Immer wieder wurde der Fertigbau der quer durch Deutschland verlaufenden Autobahn von der Ostsee bis zur französischen Grenze verzögert. Immer wieder wurde das fehlende Teilstück zum politischen Zankapfel.
Die CDU-Opposition warf der rot-grünen Landesregierung in Mainz immer wieder vor, gegen den Weiterbau zu sein. Dabei betreiben Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen laut Landesbetrieb Mobilität (LBM) gemeinsam die erforderlichen Planungen. Wobei Rheinland-Pfalz nur für zehn der insgesamt 25 Kilometer federführend ist, nämlich für den dritten Abschnitt des Lückenschlusses von Kelberg (Vulkaneifel) bis Adenau (Kreis Ahrweiler). Zurzeit würden die Planfeststellungsunterlagen für diesen Anschnitt erstellt, heißt es beim LBM. Doch der Weiterbau der A 1, durch den die Eifelortschaften laut LBM um bis zu 30 000 durchfahrende Autos und LKW pro Tag entlastet werden sollen, stößt bei Grünen und Umweltverbänden weiter auf Widerstand.
Zweifel an Notwendigkeit


Es seien Zweifel angebracht, dass der Lückenschluss tatsächlich notwendig sei, sagt Manfred Weishaar, Vorsitzender des Naturschutzbundes (Nabu) Region Trier. "Die A 1 in der Eifel soll gebaut werden, auch wenn dort über eine Autobahn nur sehr wenige Fahrzeuge fahren werden", kritisiert der Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND), Holger Schindler, den Lückenschluss. Nabu, BUND und der Naturschutzverband Pollichia bereiten eine gemeinsame Stellungnahme gegen die im Bundesverkehrswegeplan als vorrangig eingestuften Projekte in der Region vor. Neben dem Lückenschluss ist das vor allem auch der überraschenderweise in den Plan aufgenommene Moselaufstieg von Konz über die Mosel bis zur Autobahn 64.
Dass dieses Projekt als vorrangig eingestuft worden sei, sei ein "Sieg der Wirtschaftsverbände, aber eine Niederlage für die Region", sagt Weishaar. Alternativ spricht er sich dafür aus, die Brücke in Trier-Ehrang als Verbindung zwischen A 64 und A 620 auszubauen, etwa durch eine zweite Brücke. Die Planung für den Moselaufstieg sei noch nicht genehmigt, es seien keine Alternativen untersucht worden, sagt BUND-Landesgeschäftsführerin Sabine Yacoub und ergänzt: "Wir lehnen die Planung ab."
Auch Jutta Blatzheim-Roegler aus Bernkastel-Kues, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, ist gegen den Moselaufstieg. "Wesentlich schneller und umweltverträglicher" sei die laufende Reaktivierung der sogenannten Weststrecke, einer Bahnverbindung durch Trier-West Richtung Luxemburg, die das Land finanziere.
Von den Planern enttäuscht



Grüne und Umweltverbände sind ohnehin enttäuscht, dass im Bundesverkehrswegeplan für Rheinland-Pfalz kaum Bahnprojekte auftauchen. Als Beispiel nennt Blatzheim-Roegler, dass die Elektrifizierung und der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke Trier-Köln (Eifelstrecke) nicht in den Plan aufgenommen worden seien. "Dies hätte eine schnellere und damit attraktivere Verbindung zwischen dem Ballungsraum Köln und der Moselmetropole Trier ermöglicht." In der Region Trier komme der Ausbau des Schienenverkehrs völlig zu kurz, sagt BUND-Geschäftsführerin Yacoub. Es sei eine Unverschämtheit gegenüber Luxemburg, dass der Bund weiterhin kein Geld für die Wiederaufnahme des Fernverkehrs in der Region bereitstelle, kritisiert Weishaar. Blatzheim-Roegler kann dem neuen Plan aber auch etwas Gutes abgewinnen: Die Streichung des vierspurigen Ausbaus der A 60 zwischen Winterspelt und Prüm (Eifelkreis Bitburg-Prüm) zeige, dass der prognostizierte Bedarf nicht eingetreten ist "und auch künftig nicht mit mehr Verkehr auf der Eifelautobahn A 60 gerechnet wird."Extra

Die Investitionspläne des Bundes für die Verkehrswege bis 2030 vernachlässigen aus Sicht von Umweltverbänden ökologische Ziele und setzen zu stark auf die Straße. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach von einem unfinanzierbaren "Mega-Straßenbauprogramm" ohne ausreichende Prüfung günstigerer und bedarfsgerechterer Alternativen. Der Bund will in den kommenden 14 Jahren 264,5Milliarden Euro in Straßen, Bahnstrecken und Wasserwege investieren, davon über drei Milliarden Euro in Rheinland-Pfalz. Noch bis 2. Mai können Bürger und Verbände, Stellung beziehen zu den Plänen. dpa