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Papierloser Stadtrat
Adieu, Aktenberge! Warum Trier fürs Sparen ausgezeichnet wird

Trier spart mit einer findigen Idee mehr als 22 000 Euro pro Jahr.
Trier spart mit einer findigen Idee mehr als 22 000 Euro pro Jahr. FOTO: dpa / Tobias Hase
Trier/Mainz. Die Verwaltung setzt auf einen papierlosen Stadtrat und gibt weniger Geld aus. Dafür gab es in Mainz einen Preis. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Geht’s um das liebe Geld, leidet Trier unter einem miesen Ruf. Regelmäßig steht die Stadt bei Studien der Bertelsmann-Stiftung unter den Top Ten der am höchsten verschuldeten Kommunen in Deutschland. Doch nun gilt Trier plötzlich als Vorbild beim Sparen, da es Adieu zu Aktenbergen sagt. Weil die Verwaltung seit diesem Jahr auf den papierlosen Stadtrat setzt, wurde die Stadt am Montag in Mainz als eine von drei rheinland-pfälzischen Kommunen für findiges Sparen ausgezeichnet.

Der Clou in Trier: 45 von 56 Mitgliedern im Stadtrat arbeiten seit diesem Jahr mit Tablets, bearbeiten lieber elektronische Unterlagen als ganze Papierstapel. Das lohnt sich: Die Verwaltung rechnet damit, pro Jahr 22 500 Euro für Druckkosten und mehr als 320 000 Blätter Papier zu sparen, teilt Sprecher Michael Schmitz auf TV-Anfrage mit. Die tragbaren Computer, mit denen die Räte arbeiten, gehören ihnen privat oder der Stadt. Trier wiederum hat sich die Tablets etwa 11 300 Euro kosten lassen, das Geld aber schon wieder hereingeholt, weil es so viel gespart hat.

Steuerzahlerbund sowie Städte- und Gemeindebund verliehen Trier dafür einen symbolischen Spar-Euro, weil es ein effizientes Modell sei. Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) freute sich: „Ich habe mir zum Ziel gesetzt, das Trierer Rathaus bis 2020 zur modernsten Kommunalverwaltung in Rheinland-Pfalz umzubauen.“ Der Sitzungsdienst 2.0 gehöre zu einer Reihe innovativer Projekte.

René Quante, Geschäftsführer des Steuerzahlerbundes, sieht darin ein Vorbild für das ganze Land: „Viele Mitglieder von Kommunalparlamenten dürften dankbar sein, unnötige Aktenberge zur Vorbereitung ihrer Sitzungen los zu sein.“ Die weiteren Sparfüchse im Land: Das 680-Seelen-Dorf Käshofen in der Südwestpfalz gewann, weil Einwohner mehr als 2000 Stunden freiwillig im Ort arbeiteten und so Tausende von Euro sparten. Bürger halfen, das Dorfgemeinschaftshaus zu betreiben, pflasterten Wege und pflegten Grünanlagen. Der Landkreis Ahrweiler sparte in den vergangenen Jahren hingegen mehr als fünf Millionen Euro ein, indem er die Jugend- und Sozialhilfe reformierte. Dabei hatte die Kommune sogar zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Die Juroren vergaben den Spar-Euro erstmals in Rheinland-Pfalz. Mit dem Preis wollen sie Kommunen dazu animinieren, vorbildliche Sparmodelle nachzuahmen.