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Trier
Was Flieger in der Luft verlieren

FOTO: dpa / Boris Roessler
Trier. Mal fällt eine Klappe ab, mal ein Tank. Aber nicht jeder Zwischenfall wird gemeldet. Von Rolf Seydewitz

Alle Gute kommt von oben? Nicht unbedingt! In den vergangenen zehn Jahren haben Zivilflugzeuge über Deutschland in mindestens 57 Fällen Schrauben, Reifenteile, Landeklappen oder auch mal eine zwölf Kilogramm schwere Triebwerksverkleidung verloren. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Danach fielen allein in diesem Jahr bislang neun Flugzeugteile vom Himmel. Fünf Mal fielen die Teile von zivilen Maschinen ab, vier Mal kamen sie von Militärmaschinen. Im militärischen Bereich wurden in den vergangenen zehn Jahren laut Bundeswehr sogar 351 derartige Zwischenfälle registriert, etwa sechs Mal so viele wie im zivilen Bereich. Ob Zwischenfälle mit ausländischen Militärmaschinen darunter sind, ist nicht bekannt. Der rheinland-pfälzischen Grünen-Bundestagsabgeordneten Tabea Rößner kommt die große Diskrepanz zwischen zivilen und militärischen Zahlen spanisch vor Die Vermutung liege nahe, dass im zivilen Bereich nicht alle Zwischenfälle gemeldet würden, sagte Rößner unserer Zeitung. Dem müsse dringend nachgegangen werden. Allerdings sind die Fluggesellschaften dazu laut einer EU-Verordnung verpflichtet – vorausgesetzt natürlich, Besatzung oder Mechaniker bekommen mit, dass unterwegs etwas vom Flieger verlorengegangen ist. Bricht eine Landeklappe oder ein Zusatztank ab, wie schon geschehen, dürfte dies kaum unbemerkt bleiben.

Die Bundesregierung verweist in ihrer Antwort darauf, dass es in Verbindung mit herabstürzenden Flugzeugteilen weder Unfälle mit schweren oder tödlichen Verletzungen gegeben habe noch sogenannte schwere Störungen, die beinahe zu Unfällen mit Personenschaden geführt hätten. Nur solche Fälle werden von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) geprüft.

„Ein absolutes Unding“, findet Tabea Rößner und verweist auf einen Zwischenfall Anfang Juni in Mainz. Da entdeckten Anwohner im Garten ihres Hauses einen zwei Kilogramm schweren Gegenstand, der nach Kerosin stank  Es war die Dichtung eines Flugzeugs,.wie sich später herausstellte. Eine Untersuchung des Vorfalls durch das BFU gab es aber laut Rößner nicht.

Damit müsse Schluss sein, fordert die Politikerin. Letztlich spiele es keine Rolle, ob ein kleines oder ein großes Teil vom  Himmel falle: „Auch ein 20 Gramm leichtes Teil kann jemand erschlagen, wenn er es auf den Kopf bekommt.“