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| 10:38 Uhr

Politik
Wer die CDU-Fraktion im Land anführen könnte, falls es Julia Klöckner nach Berlin zieht

Julia Klöckner wird 2016 für die Wiederwahl als CDU-Landesvorsitzende in Wittlich gefeiert. Nun gibt es Spekulationen, dass es die Politikerin nach Berlin ziehen könnte. Wer könnte in der Fraktion nachrücken? Als Kandidat gilt Christian Baldauf, der im Hintergrund Applaus spendet.
Julia Klöckner wird 2016 für die Wiederwahl als CDU-Landesvorsitzende in Wittlich gefeiert. Nun gibt es Spekulationen, dass es die Politikerin nach Berlin ziehen könnte. Wer könnte in der Fraktion nachrücken? Als Kandidat gilt Christian Baldauf, der im Hintergrund Applaus spendet. FOTO: Klaus Kimmling / klaus kimmling (kik), Klauzs Kimmling
Falls es Julia Klöckner in einer großen Koalition nach Berlin zieht, würde kaum ein Weg an Christian Baldauf als CDU-Fraktionschef im Land vorbeiführen. Wäre er dann auch ein Kandidat für die Wahl 2021?
Florian Schlecht

Julia Klöckner lädt Journalisten nach Fraktionssitzungen der rheinland-pfälzischen CDU oft in ihr Büro ein, um über die politische Wetterlage zu sprechen. Sie stellt dann Gummibärchen auf den Tisch, schenkt Espresso ein, redet über Ärzteversorgung im Land oder die große Koalition im Bund. Geht es um den Bund, ist Klöckner momentan gefragt. Sie gehörte zu den Sondierern des gemeinsamen Papiers mit der SPD, saß diese Woche bei Maybrit Illner im ZDF, bundesweit handeln Medien die CDU-Landeschefin als neue Ministerin, ob bei Landwirtschaft, Entwicklung oder Familie. Die Rheinland-Pfälzerin streitet Ambitionen ab. Und doch gibt es viele Stimmen in der landespolitischen CDU, die davon ausgehen, dass Klöckner einem Ruf aus Berlin folgen würde. Sie gehöre mit jetzt 45 Jahren noch zur jungen Garde in der Union und könnte für einen Aufbruch im Kabinett stehen, heißt es. Klar scheint den Beobachtern auch, wer Klöckner bei einem Wechsel in der CDU-Fraktion nachfolgen dürfte: Christian Baldauf.

Der Pfälzer ist erster Fraktionsvize in der Union und wäre ein erfahrener Chef. Die CDU-Riege im Landtag führte er schon mal in den Jahren von 2006 bis 2011 an. Parteikollegen halten es ihm immer noch zugute, dass Baldauf die Fraktion und den Landesverband in einer der schwersten Krisen übernommen hatte. Nach der Spendenaffäre um den Ex-Vorsitzenden Christoph Böhr wegen illegaler Wahlkampffinanzierung holte SPD-Landeschef Beck bei der Wahl 2006 die absolute Mehrheit, das Image der CDU lag in Trümmern, die Kassen waren leer.Kenner sagen, Baldauf habe die Aufgabe damals gut gemeistert. Anfangs von Beck wie ein „Jüngelchen“ behandelt, sei er an den Aufgaben gewachsen. Der Jurist ging durch die harte Schule, Angriffe des abgebrühten Ministerpräsidenten an sich abperlen zu lassen.

Nicht vergessen hat ihm so mancher Insider auch, dass Baldauf im Jahr 2010 freiwillig Julia Klöckner den Vortritt zur CDU-Landeschefin überließ, die fortan Spitzenkandidatin war und der es gelang, die zerstrittene Fraktion zu befrieden. „Es ist honorig, die eigenen Interessen trotz Machtinstinkts hinten anzustellen. Das rechnen Christian Baldauf heute noch viele an“, sagt einer aus der CDU. In der Landespolitik scharrt Baldauf seit Wochen vernehmbar mit den Hufen, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein. Seit Klöckner stärker in Berlin gebunden ist – erst durch Sondierungen für Jamaika, dann für eine große Koalition – sucht er die Offensive. Gibt es Streit zwischen Kommunen und dem Land wegen Flüchtlingen, meldet sich Baldauf zu Wort. Fehlen Vollzugsbeamte in Gefängnissen, attackiert er den Justizminister. Baldauf verkörpert wahrnehmbar die konservative Stimme in der CDU-Fraktion. Menschlich gilt der 50-Jährige als Kumpeltyp, der gerne Heimspiele des 1. FC Kaiserslautern besucht und neben klassischer Musik auch auf harte Klänge von AC/DC steht.

Doch wäre Baldauf auch ein aussichtsreicher Kandidat für die Landtagswahl 2021, falls Klöckner nicht mehr in Mainz sitzt? Hier scheiden sich in der CDU die Geister. Auch, weil Malu Dreyer angekündigt hat, bei der Wahl noch mal für die SPD antreten zu wollen. Die Ministerpräsidentin ist in der CDU als hart zu knackende Nuss im Wahlkampf bekannt – und respektiert. Und doch gibt es Spekulationen in der Union, dass Dreyer vielleicht doch nicht antritt. Für wahrscheinlich halten es viele Beobachter in der CDU, dass Klöckner im Falle eines Wechsels nach Berlin den Landesvorsitz zunächst behält. Nicht ausgeschlossen sei es gar, dass sie aus einer gestärkten bundespolitischen Rolle heraus einen dritten Anlauf für das Amt der Ministerpräsidentin wagen könnte. Doch auch CDU-Mann Norbert Röttgen ist mal aus einer Ministerrolle in Berlin als CDU-Spitzenkandidat bei einer Landtagswahl angetreten, 2012 in Nordrhein-Westfalen. Er verlor gegen die SPD-Kandidatin Hannelore Kraft – und verspielte seine politische Karriere.

Schwer denkbar ist, dass der politische Nachwuchs in den Ring steigen würde. Anerkannte Talente wie Martin Brandl, parlamentarischer Geschäftsführer in der CDU-Fraktion, sollen behutsam aufgebaut werden. Marlon Bröhr, Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, wird zwar als Außenseiter-Tipp genannt, weil er sich bei manch jüngerem CDU-Mitglied einen Ruf als Rebell erworben hat, der sich den Mund nicht verbieten lässt, sprachlich gewandt ist und ein völliger Neuanfang wäre. Doch bei der gestandenen Garde ist Bröhr unten durch, weil er manchem zu sehr aneckt. Mit Vorwürfen von „Postengeschachere“ und „Parteienproporz“ brüskierte er beim Landesparteitag in Wittlich 2016 nicht nur Bezirksvorsitzende. „Wer die Partei nicht mitnimmt, braucht nicht zu glauben, dass was für ihn geht“, sagt ein Kritiker.

Wenn es Klöckner nach Berlin zieht, könnte also tatsächlich die ganz große Stunde von Christian Baldauf schlagen – auch mit Blick auf 2021. Ein CDU-Mann sagt: „Ich halte es für unwahrscheinlich, dass er dann als Fraktionschef ein zweites Mal auf die Kandidatur verzichten würde.“