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Trier
Weg von der Bankfiliale: Kunden suchen online Hilfe

Angeregte Diskussion: TV-Chefredakteur Thomas Roth, Michal Hoeck, Andreas Theis, Norbert Friedrich, Edmund Schermann, Ingolf Bermes, Günther Passek, TV-Redakteurin Sabine Schwadorf und der stellvertretende TV-Chefredakteur, Peter Reinhart (von links). Foto: Heribert Waschbüsch
Angeregte Diskussion: TV-Chefredakteur Thomas Roth, Michal Hoeck, Andreas Theis, Norbert Friedrich, Edmund Schermann, Ingolf Bermes, Günther Passek, TV-Redakteurin Sabine Schwadorf und der stellvertretende TV-Chefredakteur, Peter Reinhart (von links). Foto: Heribert Waschbüsch FOTO: TV / Heribert Waschbüsch
Trier. Die Finanzinstitute verändern sich: Neue Regularien durch EU und Bankenaufsicht gängeln Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken. Von Sabine Schwadorf
Sabine Schwadorf

„Nein, wir sind nicht weg, wir sind noch da und werden es bleiben!“ Edmund Schermann, Vorstand der Sparkasse Mittelmosel Eifel Mosel, ist siegessicher: Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken sind auch durch noch so viele Regularien und Vorschriften von EU-Seite und Bankenaufsicht sowie widrige Rahmenbedingungen wie Niedrigzinsen und Digitalisierung des Bankgeschäfts nicht totzukriegen. „Wir haben auf Druck von außen schmerzhaft unsere Strukturen angepasst. Folklore können wir uns nicht leisten“, sagt Schermann beim vierten Bankengipfel des Trierischen Volksfreunds. Unter schmerzhaften Veränderungen verstehen er und seine Vorstandskollegen der vier Sparkassen und neun Genossenschaftsbanken in der Region Trier Filialschließungen, aber auch Kostensenkungsprogramme und die Weitergabe von Negativzinsen an gewerbliche Kunden. „Der hohe Wettbewerbsdruck hat uns getrieben“, sagt Michael Hoeck, Vorstandssprecher der Vereinigten Volksbank Raiffeisenbank Wittlich. Zugleich bedrohen die Kreditinstitute zusätzliche Formalitäten, die Zeit und Ressourcen verbrennen. Etwa die neue EU-Finanzmarkt­richtlinie für den Wertpapierhandel MiFID II, die für Sparkassen und Genossenschaftsbanken genauso gilt wie für weltweit agierende Großbanken. „Das ist eine Richtlinie, die Kunden UND Berater gängelt“, sagt Ingolf Bermes, Vorstand der Kreissparkasse Bitburg-Prüm. Volksbank-Trier-Vorstand Norbert Friedrich ergänzt: „Ich habe das Gefühl, dass wir in unserer Existenz als Regionalbanken von der EU gezielt bedroht werden.“

Gleichzeitig tauchen auf dem Finanzmarkt neue Akteure und Geschäftsmodelle auf wie der Online-Händler Amazon als Girokonto-Anbieter oder Kryptowährungen und Bitcoins, also digitale Währungen, die im Internet gehandelt werden. „Wir sind gut beraten, uns damit zu beschäftigen“, sagt Michael Hoeck. Gegenüber Kryptowährungen sei ein Casino „geradezu seriös“. Und sein Volksbankkollege Andreas Theis aus Bitburg fragt sich: „Wie kann man ein solches Feld ohne jegliche Regulierung zulassen? Und wir haben jedes Jahr drei Wochen lang die Geldwäscheprüfung im Haus“, beschreibt er die Widersprüche der Branche.

Doch trotz aller Widrigkeiten stehen regionale Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken besser da als zuvor. „Unsere Geschäfte laufen besser als im Vorjahr ohne MiFID“, sagt Günther Passek, Vorstand der Sparkasse Trier. Dazu habe man die Kostenseite angepackt, das Filialnetz ausgedünnt und den Mitarbeiterstamm reduziert. „Auch wenn es für unser Haus derzeit keine Planungen gibt: Am Ende angekommen sind wir auch noch nicht.“ Das liege auch daran, dass der Kunde heute einen anderen Service benötige. „Die Kunden treiben uns dahin, besser im Internet aufgestellt zu sein. Sie wollen schnelle Hilfe und diese sofort“, sagt Norbert Friedrich. Dazu müssten die Institute den direkten Draht noch stärker suchen. „Bei allen digitalen Erfordernissen ist unsere Regionalität und unsere Verbindung zum Kunden der Schlüssel zum Erfolg“, ist Ingolf Bermes überzeugt.

„Schneller und direkter Draht zum Kunden“