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Forstwirtschaft
Wie das Land sich vom Holzweg verabschiedet

Wertvoll für die Ökologie wie für die Holzwirtschaft: Buchen in einem Wald.
Wertvoll für die Ökologie wie für die Holzwirtschaft: Buchen in einem Wald. FOTO: Uwe Zucchi / dpa
Mainz/Trier. In Daun und Hetzerath erklärt die Landesregierung bald, wie sie die Holzvermarktung revolutioniert, um keinen Ärger mit dem Kartellamt zu bekommen.

Nicht das Land, sondern neue regionale Organisationen werden ab dem 1. Januar 2019 das Holz aus Privat- und Gemeindewäldern auf den Markt bringen. Rheinland-Pfalz will so Ärger mit dem Kartellamt aus dem Weg gehen.

Forststaatssekretär Thomas Griese wird am 16. April im Forum Daun und am 23. April im Bürgerhaus in Hetzerath mit Vertretern des Gemeinde- und Städtebundes sowie des Waldbesitzerverbands erklären, auf welchen gemeinsamen Vorschlag man sich geeinigt hat. Die Veranstaltungen beginnen jeweils um 18.30 Uhr. Der TV hat sich vorab informiert, was geplant ist:

Das Land wird ab 2019 generell nur noch sein eigenes Holz veräußern sowie in Ausnahmefällen jenes von Privatleuten, die weniger als 100 Hektar Wald besitzen.

In dem vorliegenden Konzept wird laut Umweltministerium vorgeschlagen, fünf kommunale Vermarktungsregionen – Eifel, Westerwald/Taunus, Hunsrück, Pfalz und  Mosel-Saar – zu etablieren.

Im Privatwald sollen die bereits bestehenden ebenfalls fünf Pilotprojekte in der Eifel, im Bereich Westerwald-Sieg und in der Pfalz ausgebaut sowie neue Initiativen weiterhin gefördert werden. „Somit werden Vermarktungsmöglichkeiten für alle Waldbesitzenden sichergestellt“, heißt es aus dem Ministerium.

Sägebetriebe oder die Papierindustrie verhandeln also künftig direkt mit diesen zehn kommunalen oder privaten Organisationen. Für Bürger, die Brennholz kaufen wollen, ändert sich hingegen nichts. Die Kommunen werden es weiterhin direkt vermarkten. Über Startschwierigkeiten will das Land mit Fördergeld hinweghelfen: 500 000 Euro pro Jahr stehen für die fünf neuen kommunalen Organisationen zur Verfügung – und noch einmal so viel für die Erweiterung der privaten Pilotprojekte, zu denen auch die Eifel Wald und Holz Management GmbH in Bitburg sowie ähnliche Dienstleister in Daun und Prüm zählen. Der Geldfluss ist allerdings befristet: Im Fall der neu gebildeten Organisationen auf sieben Jahre, im Fall der bestehenden privaten auf fünf Jahre. Wie viele Mitarbeiter für die neuen Organisationen arbeiten, ist noch offen. Landesforsten bietet sein qualifiziertes Personal für die Aufgaben an, gibt den Mitarbeitern allerdings auch die Möglichkeit, zurückzukehren.

Das klassische Gemeinschaftsforstamt bleibt trotz alledem, wie es ist. Denn den aktuellen Plänen zufolge wird die Holzvermarktung komplett von der Waldpflege und der Holzbereitstellung getrennt. Sowohl Kommunen als auch Waldbauvereine und Privatleute können also weiter auf die fachliche Unterstützung der staatlichen Förster bauen.

Das Land gibt mit den neuen Strukturen seine extrem starke Marktposition auf. Aktuell bietet die Behörde Landesforsten nicht nur das Holz aus dem eigenen Staatswald an, sondern auch jenes von Privatleuten und Kommunen. Mehr als 90 Prozent der Gemeinden haben den staatlichen Forstämtern die Aufgabe übertragen, ihre Wälder zu bewirtschaften und ihr Holz zu vermarkten. Der zentrale Holzmarktservice hat in Verhandlungen mit den Sägewerken eine starke Position: Da das Land einen Großteil des verfügbaren Rohstoffs bündelt, kann es Preise und Verkaufskonditionen zu seinen Gunsten gestalten. Es hat die Marktmacht eines Monopolisten – und die Industrie das Nachsehen. Ein Kartellverfahren gegen Baden-Würtemberg, wo es ähnliche Strukturen gab, hat gezeigt, dass das zu massiven Problemen führen könnte. Um Strafzahlungen oder hohen Schadenersatzforderungen der Holzindustrie aus dem Weg zu gehen, tritt Rheinland-Pfalz nun die Flucht nach vorne an und ändert seine Strukturen freiwillig in Absprache mit Gemeinde- und Städtebund und dem Waldbesitzerverband.

Die Termine in Hetzerath und Daun sollen die Möglichkeit bieten, deren gemeinsamen Vorschlag zu diskutieren. Allzu viel Zeit bleibt allerdings nicht. Schon 2019 sollen die neuen Strukturen funktionieren.

Wer sich über die Änderungen bei der Holzvermarktung informieren möchte, hat dazu landesweit bei folgenden Terminen die Möglichkeit: Montag, 9. April, in Boppard (Stadthalle Boppard, Oberstraße 141), Mittwoch, 11. April, in Montabaur (Stadthalle Haus Mons Tabor, Koblenzer Straße 2), Montag, 16. April, in Daun (Forum Daun, Leopoldstraße 5), Montag, 23. April, in Hetzerath (Bürgerhaus Hetzerath, Kirchstraße 7), Mittwoch, 25. April, in Landstuhl (Stadthalle Landstuhl, Kaiserstraße 39)