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Rheinland-Pfalz
Mit welchen Tricks falsche Streamingdienste Verbraucher abzocken

Mainz/Trier. Die rheinland-pfälzische Verbraucherzentrale berät bei Stolperfallen des Alltags. Wie zum Beispiel in Fällen in denen angebliche Streamingdienste den Nutzern plump drohen. Von Florian Schlecht
Florian Schlecht

Mit einem grimmigen Blick ziert Roger Moore das Titelcover von „Octopussy“. Ein vermeintlicher Streamingdienst wirbt im Internet mit dem Plakat des James-Bond-Films, der über das Portal angeblich kostenlos im Internet zu sehen sein soll. Doch wenn 007 seinen Fans in die Augen schaut, sollten diese bei einer unbekannten Streaming-Seite misstrauisch werden.

Geht es nach Manfred Schwarzenberg von der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale, sprießen immer mehr dubiose Seiten wie Pilze aus dem Boden, die Nutzer abzocken wollen. Wie beim besagten Portal. Filmfans, die sich dort anmelden, können dort gar nichts sehen, weil der Anbieter keine Lizenzen hat. Der verschickt wiederum Tage später E-Mails und fordert Nutzer auf, 360 Euro für ein Jahresabo zu zahlen, weil sie nach ihrer Anmeldung nicht rechtzeitig genug gekündigt hätten, schildert Schwarzenberg.

Fälle wie solche beschäftigen die rheinland-pfälzische Verbraucherzentrale im digitalen Zeitalter immer häufiger. Wer den Schaden hat, steht dann oft unter Druck, schildert Schwarzenberg: Einer der falschen Streamingdienste forderte Nutzer aus Rheinland-Pfalz auf, innerhalb von drei Tagen den Betrag zu überweisen und drohte andernfalls mit Anwälten. Manche Firmen verschickten schnell vermeintliche Inkasso-Forderungen, in denen sie weiteres Geld forderten. Der Verbraucherschützer warnt auch davor, dass Nutzer bei Internet-Suchen auf Erklärstücke vermeintlicher Anwälte stoßen, die auf dem Videoportal Youtube eingestellt sind. Nutzern werde in den kleinen Filmen vorgetäuscht, dass die Forderungen der unseriösen Anbieter angeblich rechtsmäßig sind. Die Verbraucherzentrale reagiert in solchen Fällen, indem sie Youtube diese Videos meldet, 80 Links zeigten die Verbraucherschützer dort an. Zahlen müssten Verbraucher bei solchen Streamingdiensten ohnehin nichts, wenn es keine Leistungen gebe, sagt Schwarzenberg. 140 solcher dubioser Dienste seien momentan bekannt.

Der Verbraucherschützer stöhnt: „Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel. Sobald der Name eines dubiosen Streamingdienstes verbrannt ist, taucht wieder ein neuer auf.“

Auch Spiele-Apps auf Handys setzen Verbraucherschützern immer mehr zu. Häufig mahne die Verbraucherzentrale Anbieter ab, weil sie Leistungen in Verträgen nicht ausführlich erklären, über versteckte Klauseln Verträge anbieten oder bei Kinderspielen plötzlich Bier-Werbespots laufen. „Dem Einfallsreichtum von Anbietern sind keine Grenzen gesetzt“, sagt Schwarzenberg.

Doch auch abseits von Rechnern und Smartphones suchen Verbraucher Schutz vor Abzocke. Wie bei Schlüsselnotdiensten, die helfen sollen, wenn die Tür zugefallen ist.

Seit Jahren, beklagt Christian Gollner, halten sich da „mafiöse Strukturen“ von Anbietern, die über Google, Gelbe Seiten und Co. mit Telefonnummern vortäuschen, einen Betrieb vor Ort zu haben. „In Wahrheit kann es Verbrauchern aber passieren, bei einer Telefonzentrale zu landen, die 150 Kilometer entfernt ist.“ Keine Seltenheit sei es dann, wenn ein Monteur von Kaiserslautern nach Trier fahre.

Horrende Rechnungen seien ohnehin ein Problem. „Eine Seniorin hat sich das Schloss an ihrem Gartentor fertigen lassen – und sollte dafür an Ort und Stelle 4000 Euro bezahlen“, berichtet Gollner. Wollten hintergangene Kunden gegen horrende Rechnungen klagen, kamen Briefe oft zurück, weil die Adressen falsch waren. In einem Fall stellte ein Dienst eine Rechnung von 1224,27 Euro aus.

Agent 007 hilft da nicht – aber die Verbraucherzentrale. 75 Anfragen gingen in Rheinland-Pfalz alleine in diesem Jahr schon wieder zu Schlüsseldiensten ein. „Wer Fragen hat, kann sich jederzeit an uns wenden“, sagt Landesvorstand Ulrike von der Lühe.