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Katholische Kirche
Wo steht Triers Bischof in der Reformdiskussion?

 Einträchtig sitzen die Bischöfe, darunter Stephan Ackermann (rechts), nebeneinander. Doch die Meinungen über das Ausmaß der notwendigen Reformen gehen teils weit auseinander.
Einträchtig sitzen die Bischöfe, darunter Stephan Ackermann (rechts), nebeneinander. Doch die Meinungen über das Ausmaß der notwendigen Reformen gehen teils weit auseinander. FOTO: picture alliance/dpa / Arne Dedert
Trier. Unter den deutschen Bischöfen wird derzeit eifrig diskutiert. Alle reden über Veränderungen, aber mit der Umsetzung hapert’s.  Warum eigentlich? Von Rolf Seydewitz

In der katholischen Kirche vergeht derzeit kaum ein Tag, an dem nicht verkrustete Strukturen kritisiert und Reformen angemahnt würden. Seit im September vergangenen Jahres die von den Bischöfen in Auftrag gegebene Missbrauchsstudie mit erschreckenden Zahlen über Opfer und Täter veröffentlicht wurde, sind die Rufe nach tiefgreifenden Veränderungen nicht mehr verstummt.

Selbst unter den Bischöfen mehren sich jetzt die Stimmen derjenigen, die bereit sind, die Zeitenwende einzuläuten – zumindest in bescheidenem Maße.

Nach einem Bericht der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“ kam es in der vergangenen Woche bei einer Sitzung des Ständigen Rats (siehe Stichwort) in Würzburg unter den 27 Bischöfen zu einer heftigen Debatte über Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal.  Danach schlagen mehrere Bischöfe in einem zwei Seiten umfassenden Konzeptpapier eine nationale Synode als Reaktion auf die „existenzielle Krise“ ihrer Kirche vor. Die Idee dahinter: Priester, Laien, Theologen, externe Experten und Kirchenkritiker sollten über jene systemischen Veränderungen diskutieren, die die Kirche jetzt brauchen könne.

Bei der Forderung nach einer nationalen Synode dürften nicht wenige ans Bistum Trier denken, bei der auf Initiative von Bischof Stephan Ackermann rund 250 Katholiken drei Jahre lang über die  Zukunft der Kirche in ihrer Diözese beraten haben. Die daraus resultierende Strukturreform mit am Ende nur noch 35 Großpfarreien bereitet dem Bischof gerade reichlich Kopfzerbrechen.

Möglicherweise ein Grund, warum ausgerechnet Stephan Ackermann nicht zu den Mitunterzeichnern des Schreibens gehören soll. Laut „Christ und Welt“ sind der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, der Essener Bistumschef Franz-Josef Overbeck, Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer und Stefan Oster aus Passau Verfasser des Papiers, von dem in der offiziellen Pressemitteilung der Bischofskonferenz nichts erwähnt wurde. Dort hieß es nur, dass sich die Bischöfe während des zweitägigen Treffens unter anderem mit dem weiteren Umgang mit den Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie befasst hätten.

Das Thema Synode war in Würzburg  jedenfalls schnell wieder vom Tisch. Nach Angaben von „„Christ und Welt“ konnte sich der Synodenvorschlag in der Runde nicht durchsetzen. Vor allem konservativen Bischöfen wie dem Regensburger Rudolf Voderholzer, der bis 2013 Theologieprofessor in Trier war, seien die Zugeständnisse an Laien und Kritiker zu weit gegangen.

Ruhe an der Front dürfte damit allerdings nicht einkehren. Erst am vergangenen Wochenende hatten sich mehrere bekannte Katholiken in einem Brief an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, unter anderem für eine Öffnung des Weiheamtes für Frauen, die Abschaffung des Pflicht-Zölibats sowie eine neue Sexualmoral ausgesprochen. Ein „Anschlag auf die Einheit“ der Kirche, kommentierte der konservative Kardinal Gerhard Ludwig Müller das Schreiben. Das größte Versagen in Deutschland bestehe momentan darin, sich einreden zu lassen, die Lehre der Apostel und der Kirche sei veraltet und man könne die Kirche retten, wenn man sie „dieser Welt“ anpasse, so der Kardinal.

Mahnende Worte, die aber auch unter den deutschen Bischöfen immer häufiger auf taube Ohren stoßen. Erst in dieser Woche dachte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf laut darüber nach, dass eine Abkehr vom Pflichtzölibat mittelfristig denkbar sei. Er würde es jedenfalls begrüßen, wenn es unterschiedliche Zugangswege zum Priesteramt gebe, so der Nachfolger des im vergangenen Jahr gestorbenen Kardinals Karl Lehmann. Auffällig ist, dass vom Trierer Bischof Stephan Ackermann in der Zölibatsfrage deutlich konservativere Töne zu vernehmen sind. In einem Interview mit der „Südwestpresse“ sagte der 55-Jährige diese Woche, er halte den Zölibat „für den Priester für eine wertvolle Lebensform“. Werde der Zölibat einfach freigegeben, so Ackermann, „wird diese Lebensform verschwinden“. Das klingt nicht so, als stünde der zuletzt wegen des Bremsmanövers bei der Strukturreform in der Kritik stehende Trierer in diesem Punkt an der Spitze der bischöflichen Reformer.

Auf Anfrage unserer Zeitung hieß es am Donnerstag im Generalvikariat, der Bischof sei nicht erreichbar.