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Seit Tagen überschreitet Luxemburg den von Deutschland festgelegten Grenzwert

Coronavirus : Wird Luxemburg Risikogebiet? Warnung vor geschlossenen Grenzen

Seit Tagen überschreitet Luxemburg den von Deutschland festgelegten Grenzwert für die Einstufung zum Corona-Risikogebiet.

Weder Luxemburgs Premierminister Xavier Bettel noch Gesundheitsministerin Paulette Lenert ließen sich anmerken, dass sie die aller Wahrscheinlichkeit nach erneute Einstufung ihre Landes als Corona-Risikogebiet durch das deutsche Robert Koch-Institut (RKI) ärgert. Man müsse kein Mathematiker sein, um zu wissen, dass Luxemburg den Grenzwert überschritten habe, sagte Lenert am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Luxemburg. Da das RKI die Regeln nicht geändert habe, sei damit zu rechnen, dass das für die Gesundheitsüberwachung in Deutschland zuständige Institut das Großherzogtum erneut als Risikogebiet einstufe – wie bereits von Mitte Juli bis Ende August. Bundesregierung und Länder hatten sich darauf verständigt, dass bei einem Überschreiten von 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche eine Region oder ein Land zum Risikogebiet erklärt wird.

In Deutschland sind das derzeit unter anderen die Städte Hamm in Nordrhein-Westfalen sowie München und Würzburg in Bayern. Der willkürlich festgelegte Wert soll dazu dienen, mit entsprechenden Maßnahmen auf die Ausbreitung des Sars-Cov-2-Virus zu reagieren. In München wurde zum Beispiel das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf belebten Plätzen beschlossen.

Das RKI stuft nach den gleichen Kriterien wie deutsche Städte und Kreise auch ausländische Regionen und Länder als Risikogebiet ein.

In Luxemburg lag der Wert am Dienstag bei über 100 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner. Die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC gibt den Zwei-Wochen-Wert für Luxemburg mit rund 170 auf 100 000 an.  Das Großherzogtum liegt mit diesen Zahlen hinter Spanien, Tschechien und Frankreich europaweit an vierter Stelle.

Mit der Einstufung eines Landes als Risikogebiet einher geht eine Reisewarnung des Bundesaußenministeriums. Dieses warnt vor nicht notwendigen Reisen in Risikogebiete. Wer aus solchen Gebieten nach Deutschland einreist, muss einen negativen Corona-Test vorlegen oder sich in eine 14-tägige Quarantäne begeben. Bund und Länder hatten sich eigentlich darauf verständigt, die Quarantäne-Regeln für Einreisende aus Risikogebieten ab 1. Oktober zu ändern. Von da an sollte ein negativer Corona-Test nicht mehr ausreichen, um einreisen zu dürfen. Alle, die aus Risikogebieten nach Deutschland kommen, sollen sich künftig zunächst fünf Tage in Quarantäne begeben. Diese kann nur durch einen negativen Test beendet werden. Laut eines Berichts der Bild-Zeitung verzögert sich das Vorhaben aber um einen Monat. Grund dafür soll sein, dass die Gesundheitsämter technisch dazu in die Lage versetzt werden sollen,  Rückkehrer aus Risikogebieten nachzuverfolgen.

Diese geplante Änderung der Quarantäneregelung, komme  einer  Grenzschließung gleich, falls Luxemburg erneut zum Risikogebiet eingestuft werde, warnte am Mittwoch der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, Jan Glockauer. „Einkäufe von Luxemburgern in der Region würden dadurch auf unabsehbare Zeit unmöglich werden.“ Einschränkungen sollten „nur so viel wie nötig und so kurz wie möglich in Betracht gezogen werden“, warnte der IHK-Chef. Er verweist darauf, dass eine erneute Einstufung Luxemburgs als Risikogebiet weitreichende Folgen für die Wirtschaft in der Region habe. „Sie würde erneut ein schlechtes Signal an unseren europäischen Nachbarn senden.“ Und weiter sagt Glockauer: „Kein Staatshaushalt und kein Förderprogramm kann den bereits entstanden und weiter zu erwartenden Schaden kompensieren.“

Luxemburgs Gesundheitsministerin verkündete, dass Außenminister Jean Asselborn mit der Bundesregierung verhandele, um erneute Einreisebeschränkungen zu verhindern.

Trotz der steigenden Zahlen, die laut Lenert vor allem durch Reiserückkehrer in die Höhe getrieben würden, habe Luxemburg die Lage im Griff, die Kliniken seien nicht überlastet. „Wir sind gut aufgestellt“, so Lenert. Bettel sagte, es gebe keinen Grund für schärfere Maßnahmen und weitere Beschränkungen.