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Senatswahlen in Georgia: Das würde ein Sieg der Demokraten für die USA bedeuten

Senatswahlen in Georgia : Noch ist nichts entschieden – Das würde ein Sieg der Demokraten für die USA bedeuten

Too close to call: Noch immer ist unklar, wer die beiden politisch so wichtigen Senatswahlen in Georgia gewonnen hat. Die Demokraten Jon Ossoff und Raphael Warnock liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit David Perdue und Kelly Loeffler, den republikanischen Amtsinhabern, die sie herausfordern.

Damit bestätigt sich, was sich schon beim Präsidentschaftsvotum in dem wirtschaftlich aufstrebenden Bundesstaat im amerikanischen Süden abgezeichnet hatte. Georgia, jahrzehntelang eine Hochburg der Konservativen, ist mittlerweile ein Swing State, in dem das Pendel hin- und herschwingt zwischen Demokraten und Republikanern.

Gegen Mitternacht (Ortszeit) sah es so aus, als könnte den Demokraten tatsächlich jener doppelte Paukenschlag gelingen, mit dem sie die Mehrheit im US-Senat erringen würden. Aus DeKalb County, einem Wahlkreis im Vorortgürtel der Metropole Atlanta, wurde ein großer Schwung relativ spät ausgezählter Stimmen gemeldet. Damit schob sich Warnock vor Loeffler, während Ossoff im Duell mit Perdue nur noch ganz knapp hinter seinem Kontrahenten lag. Sie sehe nun einen Weg zum Sieg, twitterte Stacey Abrams, eine afroamerikanische Aktivistin, die mit ihrem Organisationstalent maßgeblichen Anteil daran hatte, Anhänger der Demokraten zu mobilisieren.

Zu dem Zeitpunkt betrug der Vorsprung Warnocks 36 000 Stimmen, während sich der Rückstand Ossoffs auf rund 1000 verringerte. Da die noch nicht ausgezählten Stimmen, insgesamt drei Prozent, vor allem auf das urbane Milieu in und um Atlanta entfallen, rechnen sich beide Herausforderer Chancen auf einen Sieg aus. Perdue und Loeffler dagegen setzen ihre Hoffnungen auf ländlich geprägte Wahlkreise, in denen sie klare Mehrheiten einfahren.

Obwohl eine genauere Analyse des Resultats erst in einigen Stunden möglich sein wird, scheint sich doch ein Trend zu bestätigen, der sich bereits am 3. November beobachten ließ. Schon damals hatten sich in den Vorortvierteln der Mittelschichten etliche Wähler, in erster Linie Frauen, von den Republikanern abgewandt, um Donald Trump einen Denkzettel zu verpassen.

Hinzu kommt der demografische Wandel in den Boomregionen im Umkreis Atlantas, wo Migranten mit Wurzeln in China, Indien oder Südkorea immer stärker ins Gewicht fallen. Beidem, dem Anti-Trump-Protest der Mittelschichten und einer sich wandelnden Demografie, hatte Joe Biden zu verdanken, dass er in Georgia gewann, seit 1992 der erste demokratische Präsidentschaftskandidat, dem dies gelang.

Nun, da zumindest ein Sieg Warnocks möglich scheint, könnte der „Peach State“ Geschichte schreiben. Der Pfarrer der Ebenezer Baptist Church, an der einst Martin Luther King predigte, wäre der erste Afroamerikaner, der Georgia, eines der Schwergewichte der Südstaaten-Konföderation des amerikanischen Bürgerkriegs, im Senat in Washington vertritt.

Vom Wahlausgang hängt ab, ob sich Biden im Kongress auf eine Mehrheit stützen kann. Setzen sich beide demokratische Kandidaten durch, kommt es im Senat zu einer Pattsituation von 50 zu 50 Sitzen, die von der künftigen Vizepräsidentin Kamala Harris zu Gunsten ihrer Partei aufgelöst werden kann. Den Republikanern reicht ein Sitzgewinn in Georgia, um die Mehrheit in der kleineren der beiden Parlamentskammern zu behaupten.