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So ist der erste Schultag in Rheinland-Pfalz verlaufen

Corona-Virus : Zwischen Freude und Sorge: So ist der erste Schultag verlaufen

Schüler kritisieren die Rückkehr zum normalen Unterricht als fahrlässig. Fehlende Maskenpflicht in den Klassenräumen und überfüllte Busse bereiten vielen Eltern Sorge. Wir haben die Stimmen zum ersten Schultag.

Erstmals seit den flächendeckenden Schulschließungen im März sind seit Montag wieder alle Schüler in Rheinland-Pfalz (bis auf die Erstklässler, die zum Teil erst heute eingeschult werden) wieder in der Schule. „Nach Wochen der Schulschließungen, dem Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht und den Sommerferien“ dürften nun wieder mehr als 500 000  Schüler „mehr schulische Normalität erleben“, sagte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD). „Die Kinder hätten ein Recht auf Bildung, „Eltern müssen Familie und Beruf vereinbaren können“, ergänzte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Hubig betonte, dass die Schulen darauf vorbereitet seien, bei einem steilen Anstieg der Infektionszahlen zu schließen. Sie wünsche aber allen, „dass wir keinen einzigen Tag haben“, an dem das notwendig werde.

 Es sei kein unbeschwerter Schulstart wie in früheren Jahren, sagt der Landeschef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Klaus-Peter Hammer. Er fordert kleinere Klassen und mehr Lehrer. Es sei „sehr riskant und leichtsinnig“, im Unterricht auf Abstand zwischen den Schülern zu verzichten, eine Rückkehr in den Normalbetrieb sei fahrlässig, kritisiert die Landesschülervertretung (LSV). Angesichts der wieder steigenden Infektionszahlen spricht sich die LSV wieder für einen Wechsel zwischen Präsenz und Distanzunterricht wie vor den Sommerferien aus. Das Bildungsministerium verweist darauf, dass der für alle Schulen geltende Hygieneplan eine feste Sitzordnung in den Klassenräumen vorsehe. Eine Vermischung der Gruppen soll „weitmöglich“ vermieden werden.

In den Schulen in der Region lässt sich die Stimmung am ersten Schultag zwischen Freude und Sorge umschreiben. „Hier ist das alles nach Plan verlaufen, die Schüler haben das Konzept gut angenommen“, sagte Christian Schmidt, Leiter der Integrierten Gesamtschule in Hermeskeil. Noch hätten nicht alle Schüler die Maskenpflicht im Gebäude und auf dem Schulhof komplett verinnerlicht, sagt Michael Müller, Schulleiter der Berufsbildenden Schule Gestaltung und Technik in Trier.

Vielen Eltern bereitet der Schulstart unter weitestgehenden Normalbedingungen Bauchschmerzen. In einer Befragung des Landeselternbeirats hat sich eine Mehrheit für eine Maskenpflicht im Unterricht ausgesprochen. Drei Viertel der befragten Eltern waren für einen regulären Schulbetrieb.  Sorge bereiten viele die oftmals überfüllten Schulbusse, in denen kein Abstand eingehalten werden kann. Hubig hatte gefordert, dass die Schulträger mehr Busse zu den Spitzenzeiten einsetzen sollten. Doch aus den Kommunen kommt dazu eine klare Absage: Alle Linienbusse seien während der Hauptverkehrszeit zu Schulbeginn und Schulende bereits im Einsatz, heißt es. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hatte angekündigt,  1000 zusätzliche Schulbusse einzusetzen.

 17.08.2020, Rheinland-Pfalz, Mainz: Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, trägt einen Mundschutz mit dem Motiv der Porta Nigra (römisches Stadttor in Trier). Die Ministerpräsidentin und die Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz (beide SPD) besuchen zum Schulstart die Lenneberg Grund- und Realschule plus im Stadtteil Budenheim. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
17.08.2020, Rheinland-Pfalz, Mainz: Malu Dreyer (SPD), Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, trägt einen Mundschutz mit dem Motiv der Porta Nigra (römisches Stadttor in Trier). Die Ministerpräsidentin und die Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz (beide SPD) besuchen zum Schulstart die Lenneberg Grund- und Realschule plus im Stadtteil Budenheim. Foto: Andreas Arnold/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: dpa/Andreas Arnold

CDU-Fraktionschef  Christian Baldauf fordert vom Land mehr Schulbusse. Der Spitzenkandidat für die Landtagswahl im nächsten Jahr sprach sich zudem für ein Sanierungsprogramm für Schultoiletten und eine bessere Digitalausstattung von Lehrern  und Schülern aus. CDU-Landeschefin Julia Klöckner warf der Landesregierung vor, den Schulstart verstolpert zu haben.