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Hannover/Trier
So schützt man seine Daten vor dem Zugriff von Facebook & Co.

FOTO: Dominic Lipinski / dpa
Hannover/Trier. Der Skandal des sozialen Netzwerks hat viele Nutzer aufgeschreckt. Doch statt mit Aktionismus sollten sie mit Bedacht reagieren und ihr Profil absichern, raten Fachleute. wie/dpa

() Soll ich angesichts des Facebook-Daten­skandals, von dem nach Angaben des Unternehmens mehr als 300 000 Nutzer in Deutschland und weltweit rund 87 Millionen betroffen sind, mein Konto lieber löschen? Diese Frage stellen sich aktuell viele Nutzer des Netzwerks. Wenn man Facebook weiter nutzen möchte, sollte man zumindest die Einstellungen überprüfen, rät der Landesdatenschützer Dieter Kugelmann.

In den Privatsphären-Einstellungen gebe es eine Reihe Möglichkeiten, etwa Werbung auszuschalten oder die Übermittlung bestimmter Daten soweit wie möglich zu verhindern. Kugelmann: „Dabei muss man jedoch immer darauf vertrauen, dass sich Facebook auch rechtmäßig verhält.“ Dieses Vertrauen habe durch den Datenskandal gelitten, sagt der Datenschützer.

Die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzstaatssekretärin Christiane Rohleder fordert die Datenschutzbeauftragten auf, die Zugriffsmöglichkeiten auf Facebook-Nutzerdaten genau unter die Lupe zu nehmen. Im Fall von Verstößen gegen die neue EU-Datenschutzgrundverordnung müssten diese „entsprechend konsequent durchgreifen“.

Was können Nutzer konkret tun, um ihre Daten besser zu schützen?

Die Sichtbarkeit des eigenen Profils sollte so beschränkt werden, dass nur Freunde die Informationen sehen können.

Beiträge sollte man nicht öffentlich verfassen, sondern nur für Freunde sichtbar machen. Die Einstellung dazu findet sich neben dem blauen „Posten“-Schalter. So schützt man sich auch davor, dass die eigenen Daten über die Facebook-Suchfunktion automatisiert ausgelesen und gespeichert werden. „Man sollte sich bewusst machen, was man macht“, sagt Joerg Heidrich von der Computerzeitschrift c‘t. Im Endeffekt vertraue man auf unbestimmte Zeit einem US-Unternehmen detaillierte Informationen über persönliche Verhältnisse, politische Ansichten, Krankheiten und mehr an. Was damit geschieht, ist weitgehend unklar. „Im wahrscheinlichsten Fall werden die Daten genutzt, um Werbung zu schalten“, sagt Heidrich. „Im schlimmsten Fall, um mich zu beeinflussen.“

Grundsätzlich empfehle sich in den Privatsphäre-Einstellungen immer die Option, die am wenigsten Zugriff von außen zulasse, rät Heidrich. Auch die Liste von Apps und Spielen sollten Nutzer ausmisten. Diese Programme könnten unter Umständen viele Informationen aus dem Profil auslesen. Rohleder kritisiert, dass Nutzer überhaupt aktiv werden müssen, um diesen Datenzugriff zu verhindern. „Ohne Zustimmung darf es gar keine Zugriffe von Apps geben.“

Das Facebook-Konto zu löschen, ist natürlich auch eine Möglichkeit. Aber lösen lässt sich das Problem mit der Datensammlung durch Facebook und andere dadurch nicht, gibt Heidrich zu bedenken. Zwar wird Facebook die Profildaten mit großer Wahrscheinlichkeit löschen. Aber wer – auf welchem Weg auch immer – Daten aus dem Profil gespeichert hat, bleibt weiter unklar.

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) aus Schweich bezeichnet Facebook als „ ein Netzwerk der Intransparenz“. Ethische Überzeugungen fielen kommerziellen Interessen zum Opfer.