1. Nachrichten

Sollen alle Masken tragen?

Gesundheit : Mundschutz zum Schutz der anderen

Sollen alle Masken tragen? Hausärzte bitten darum, Schutzausrüstung zu spenden.

Sollen in Deutschland künftig alle Menschen in der Öffentlichkeit einen Mundschutz tragen? Auf diese Frage kennt der Trierer Apotheker Michael Raber nur eine Antwort: „Ja.“ Einen solchen Schutz beim Verlassen des Hauses zu tragen, sei eine absolut sinnvolle und wichtige Maßnahme, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen, sagt er. Man schütze sich selbst vor Anniesen oder Anhusten durch andere, man schütze andere, falls man plötzlich niesen oder husten müsse und der Mundschutz verhindere die Übertragung von Viren über die Mund- oder Nasenschleimhäute, wenn man sich ins Gesicht fasse. Das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes müsse so selbstverständlich werden wie das Tragen von Mütze oder Handschuhen, sagt er. Dafür reiche sich einfach einen Schal vor Mund und Nase zu binden, wenn man das Haus verlasse. Man könne sich auch selbst einen solchen Schutz nähen etwa aus alter Bettwäsche. Das sei zwar kein professioneller Schutz, der medizinischen Ansprüchen genüge, aber ein selbstgenähter Schutz sei besser als gar keiner. Das sieht auch der Berliner Virologe Christian Drosten so. Es könne sinnvoll sein, Masken in der Öffentlichkeit zu tragen, etwa beim Einkauf im Supermarkt. Der Präsident der Landesärztekammer, Günther Matheis, sieht eine Pflicht, einen Mundschutz in der Öffentlichkeit zu tragen, skeptisch. Es gebe keine Belege, dass einfache Mund-Nasen-Schutzmasken das Risiko einer Ansteckung wirklich minimieren, wenn Gesunde diese Masken trügen. Allerdings: „Die Masken verhindern das unbewusste Anfassen der eigenen Nase oder des Mundes. Aber zugleich können sie ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen und somit dazu verleiten, die allgemeinen Hygienemaßnahmen zu vernachlässigen“, so Matheis. Ähnlich argumentierte gestern auch der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert. Das Tragen eines Mundschutzes sei eine freiwillige Entscheidung.

Raber produziert derzeit zusammen mit einer Schneiderei in Trier einen Mund-Nasen-Schutz. Und obwohl es sich dabei nicht, wie er ausdrücklich betont, um ein Medizinprodukt handelt, sondern um ein Kleidungsstück, bekommt er auch Nachfragen aus Kliniken und aus Arztpraxen. Grund: Es fehlt dort an entsprechender Schutzausstattung (siehe Interview auf dieser Seite).

Wie groß die Not ist, zeigt der Hilferuf des rheinland-pfälzischen Hausärzteverbandes. Dieser ruft Bürger und Firmen dazu auf, Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel zu spenden. Die Not sei groß, berichtet Heidi Weber, zweite Vorsitzende des Verbandes. Die hygienischen Vorgaben in den Hausarztpraxen könnten nur noch kurze Zeit aufrechterhalten werden. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz, die für die Honorarverteilung der niedergelassenen Ärzte zuständig ist, teilt mit dass an allen Standorten der KV die Mund-Nasen-Schutzmasken aufgebraucht seien. Nachschub sei jedoch bereits angefordert worden.

Der Bund hat inzwischen 20 Millionen Atemschutzmasken beschafft, wie ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums gestern mittelte. Sie seien an Länder und Kassenärztliche Vereinigungen für die Verteilung an Kliniken, Praxen und Pflegeheime ausgeliefert worden.