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Parteien
Spannender CDU-Politkrimi: Kramp-Karrenbauer macht’s

Küsschen für die Delegierten: Die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer bedankt sich nach ihrer Wahl bei den CDU-Mitgliedern.
Küsschen für die Delegierten: Die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer bedankt sich nach ihrer Wahl bei den CDU-Mitgliedern. FOTO: AP / Michael Sohn
Hamburg. Die ehemalige saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer ist die neue Angela Merkel. Im zweiten Wahlgang wurde AKK, wie die 56-jährige Politikerin parteiintern nur genannt wird, auf dem Hamburger Parteitag zur neuen CDU-Bundesvorsitzenden gewählt. Von Rolf Seydewitz

Die Bundeskanzlerin hatte nach 18 Jahren an der Parteispitze nicht mehr kandidiert. Kramp-Karrenbauer setzte sich in einer Stichwahl mit einem hauchdünnen Vorsprung von 35 Stimmen gegen den ehemaligen Unionsfraktionschef Friedrich Merz durch.

Der dritte Kandidat, Gesundheitsminister Jens Spahn, schied nach dem ersten Wahlgang mit knapp 16 Prozent der Stimmen aus.„Es ist auf jeden Fall der spannendste Bundesparteitag, den ich je erlebt habe“, kommentierte der Trier-Saarburger CDU-Vorsitzende Arnold Schmitt das Hamburger Treffen. Der 64-jährige Rioler ist einer von 13 Delegierten aus der Region Trier, die bei dem bis heute Nachmittag dauernden Parteitag mit von der Partie sind. Ähnlich euphorisch äußerte sich nach der Wahl AKKs auch der Eifeler Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder. „Ein Hochfest der Demokratie mit einer spannenden Wahl und einem knappen Wahlausgang“, kommentierte Eifelturm Schnieder die Abstimmung. Seine Analyse: Wahrscheinlich habe am Ende die „fulminante Rede“ Kramp-Karrenbauers den Ausschlag gegeben.

Auch CDU-Bezirkschef Bernhard Henter verwies auf die emotionale Rede der neuen Parteivorsitzenden, die ihr wohl den knappen Sieg beschert habe.

„Unsere Partei hat Basisdemokratie in Vollendung gezeigt“, meinte der stellvertretende Trierer Parteichef Udo Köhler. Bei einer Meinungsumfrage unter den Trierer Christdemokraten im Vorfeld des Parteitags hatten diese sich mehrheitlich für AKK als neue Vorsitzende ausgesprochen. Somit spiegelte das Wahlergebnis auch das Wunschergebnis der Trierer Basis wider.

Der Bernkastel-Wittlicher CDU-Vorsitzende Alex Licht, der im Vorfeld des Parteitags – wie auch sein Kollege Gordon Schnieder aus der Vulkaneifel – Friedrich Merz favorisiert hatte, zeigte sich dennoch versöhnt mit dem Wahlausgang. „Das ist Demokratie“, sagte der Landtagsabgeordnete, „ich fahre trotzdem zufrieden nach Hause.“

Die Trier-Saarburger Delegierte Simone Thiel freute sich, dass ihre Kandidatin am Ende auch das Rennen gemacht hatte. „Eine Parteivorsitzende aus der Region Saar-Lor-Lux, das ist gut für uns und gut für die CDU“, sagte die Kandidatin für das Europaparlament.

Einig waren sich am Freitagabend alle 1000 Delegierten darüber, wie sehr der innerparteiliche Wettbewerb und die Diskussionen über die Merkel-Nachfolge die in den vergangenen Jahren erstarrte CDU belebt haben.

So mache ihm die Parteiarbeit wieder richtig Spaß, kommentierte etwa der Trier-Saarburger Parlamentarier Arnold Schmitt den Parteitag. „Ich habe das mal wieder gebraucht.“