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Staatsanwaltschaft hat Missbrauchsfälle überprüft

Katholische Kirche : Bistümer rücken Missbrauchsunterlagen heraus

Staatsanwaltschaften haben fast 100 neue Verdachtsfälle geprüft. Nur in einem Trierer Fall sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen.

Die Staatsanwaltschaften in Rheinland-Pfalz haben in den zurückliegenden Monaten  91 Verdachtsfälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche überprüft. Dabei seien nur in einem Fall die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, sagte der Sprecher des Justizministeriums, Christoph Burmeister, auf Anfrage unserer Zeitung.

Nach Angaben des Leitenden Oberstaatsanwalts Peter Fritzen handelt es sich bei dem offenen Fall um ein in Trier anhängiges Verfahren.Die Vorwürfe beträfen einen Anfang der 2000er Jahre als Diakon im Bistum tätigen Mann. Bei den bisherigen Ermittlungen wurden laut Fritzen die kirchlichen Ermittlungsakten ausgewertet und Zeugen vernommen.  Dabei habe sich der Verdacht noch nicht verjährter strafbarer Handlungen allerdings bislang nicht verifizieren lassen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt unserer Zeitung. Die Ermittlungen dauerten noch an. Der Mann sei allerdings nicht mehr als Diakon tätig.

Die Überprüfungen der Verdachtsfälle war nach einer Strafanzeige von sechs Jura-Professoren vor zwei Jahren angelaufen. Die Gruppe Juristen hatte nach Veröffentlichung der MHG-Studie über Missbrauch in der katholischen Kirche Anzeige gegen unbekannt bei Staatsanwaltschaften im Bereich aller 27 deutschen Diözesen, darunter auch Trier, eingereicht. Zwar verliefen die Anzeigen im Sande. Doch die rheinland-pfälzischen Generalstaatsanwaltschaften Koblenz und Zweibrücken wandten sich an die in ihrem Zuständigkeitsbereich gelegenen Bistümer und baten um Unterlagen zu allen den Behörden bis dato nicht bekannten Verdachtsfällen. Im Mai vergangenen Jahres berichtete Justizminister Herbert Mertin im Rechtsausschuss von insgesamt 91 Verdachtsfällen, die bei den  Staatsanwaltschaften eingegangen seien.  Das Gros der Fälle betreffe schon lange zurückliegende Vorfälle oder solche, zu denen nur vage Informationen vorlägen. Die Anschuldigungen richteten sich nicht nur gegen Geistliche, sondern auch gegen Erzieher in kirchlichen Einrichtungen.

In 27 Fällen waren die Taten verjährt, in 21 Fällen die Tatverdächtigen gestorben und in 32 Fällen fehlte es nach Angaben des Ministers an konkreten Anhaltspunkten für eine Straftat. Blieben nach den von den Bistümern in Rheinland-Pfalz eingereichten Listen zuletzt noch elf Ermittlungsvorgänge oder Prüfverfahren übrig.

Wie Ministeriumssprecher Christoph Burmeister unserer Zeitung sagte, wurden zehn dieser elf Verfahren eingestellt, weil die Vorfälle entweder verjährt seien oder es keinen hinreichenden Tatverdacht gebe. Nur das Trierer Verfahren ist nach Angaben des Koblenzer Generalstaatsanwalts Jürgen Brauer noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben aus dem Mainzer Justizministerium ist man aber zuversichtlich, „dass auch dieses Verfahren zügig zum Abschluss“ gebracht werden könne. Zuletzt wurde im Ministerium mit den Leitern der rheinland-pfälzischen Staatsanwaltschaften erst vor zwei Wochen über die Zusammenarbeit mit den Bistümern gesprochen. Dabei gab’s für die Zusammenarbeit mit den kirchlichen Stellen offenkundig durchweg positive Noten. Angeforderte Unterlagen zu den Prüf- und Ermittlungsverfahren seien problemlos übersandt worden, hieß es anschließend, und auch das generelle Anzeigeverhalten der Bistümer habe sich verändert. Neue strafrechtlich relevante Sachverhalte würden zügig zur Anzeige gebracht, so ein Ministeriumssprecher.

Die strafrechtliche Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche sei aber mit dem „Abarbeiten“ der von den Bistümern zur Verfügung gestellten Listen nicht beendet, heißt es aus dem Mainzer Justizministerium. Weitere Verdachtsfälle könnten nur verfolgt und geahndet werden, wenn die Betroffenen auch den Mut hätten, solche Fälle anzuzeigen.

Der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen verweist darauf, dass die Altersgrenze für den Beginn der Verjährungsfrist in den zurückliegenden Jahren kontinuierlich erhöht worden sei  von 18 auf inzwischen 30 Jahre. Mit anderen Worten: Bis dato nicht angezeigte Täter müssen länger damit rechnen, für die sexuellen Übergriffe doch noch eines Tages belangt zu werden.