30 Millionen Deutsche spielen

Der Markt für elektronische Unterhaltung boomt. Im ersten Halbjahr liegt der Gesamtumsatz hierzulande bei über einer Milliarde Euro. Auch ein Team Trierer Studenten tüftelt erfolgreich.

Sie laufen zu Hause im Wohnzimmer auf der Konsole, auf dem Computer im Arbeitszimmer oder auf dem Handy oder Tablet: Der Markt für Spiele wird in Deutschland rasend schnell größer. Der Umsatz mit Spielen für alle Plattformen wuchs bisher im Jahr 2017 um elf Prozent auf insgesamt 1,08 Milliarden Euro.

Diese Zahlen nannte der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) im Vorfeld der morgen für Privatbesucher in Köln beginnenden Gamescom - neben der E3 in Los Angeles die größte Spiele-Messe der Welt. "Kein anderes Medium konnte in den vergangenen Jahren so kontinuierlich und dynamisch wachsen", sagt Felix Falk, Geschäftsführer des BIU. "Ob das gemeinsame Spielen mit Familie und Freunden oder eSports: ?Games ?sind das sozialste Medium unserer Zeit!"

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Laut einer repräsentativen Studie des Digitalverbands Bitkom spielen 43 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren gelegentlich. Das sind 30 Millionen Menschen. Die Mehrheit, insgesamt 18 Millionen, spiele hauptsächlich gemeinsam, erklärt der BIU, der auch Träger der ?Gamescom ist. Mit dem Leitthema "Einfach zusammen spielen" stellt die Messe in diesem Jahr den sozialen Aspekt in den Mittelpunkt. Besonders die Jüngeren, die mit den sozialen Netzwerken aufgewachsen sind, setzen auf das gemeinsame Spielen: Drei Viertel (74 Prozent) der 16- bis 24-jährigen Spieler nutzen die Mehrspieler-Möglichkeiten aktueller Titel. Das gemeinsame Spielen findet dabei nicht nur online statt. Rund jeder dritte Gamer (36 Prozent) trifft sich mit anderen, um zusammen zu spielen. Von den 16- bis 24-jährigen Spielern sind es sogar rund zwei Drittel (63 Prozent), bei den 25- bis 34-jährigen sind es 57 Prozent.

Die Analyse des Spielemarkts offenbart aber auch kritische Ansätze. Nur 13,6 Prozent des Gesamtumsatzes in Deutschland werden mit hierzulande entwickelten Titeln, Produkten und Dienstleistungen erzielt. Deutschland ist kein Zentrum der Spieleentwickler. Die deutsche Games-Branche ist mittelständisch geprägt: 89 Prozent der Unternehmen erwirtschaften bis zu fünf Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Insbesondere in Anbetracht der großen Bedeutung Deutschlands als Absatzmarkt für Computer- und Videospiele gibt es im internationalen Vergleich überraschend wenige Games-Entwickler in größeren Umsatzklassen. Von den rund 14?000 Beschäftigten der Games-Branche befinden sich 76 Prozent in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen, 71 Prozent sind fest angestellt. In Deutschland beträgt der Anteil öffentlicher Förderung an der Finanzierung von Games-Entwicklern lediglich 2,6 Prozent. Zum Vergleich: In Großbritannien sind es 17 Prozent, in Kanada 32 Prozent.

Von den Millionensummen der Filmförderung können deutsche Spieleentwickler nur träumen. Aus regionaler Sicht ist die Lage wiederum erfreulich, denn in der Region Trier hat sich in den vergangenen fünf Jahren viel getan. An der Hochschule Trier können Studenten im Studiengang Digitale Medien und Spiele die Entwicklung von Spielen lernen. Ein Team Trierer Studenten erschuf das Spiel "In Between", gründete das Entwicklerstudio Gentlymad und erhielt 2015 den Deutschen Computerspielepreis, die höchste Auszeichnung der Branche.