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Ab 28 Grad bekommen Fische Stress

Ab 28 Grad bekommen Fische Stress

Nicht nur den Menschen macht die Hitze zu schaffen. Auch Fische können darunter leiden. Falls die Temperaturen in Saar und Mosel weiter steigen, könnte es schlimmstenfalls zu einem Fischsterben kommen.

Trier. Wassertemperatur: 26,5 Grad. Gemessen gestern bei Palzem (Trier-Saarburg) in der Mosel. Doch was für wagemutige Schwimmer (das Baden in der Mosel ist nicht offiziell verboten, aber nicht ungefährlich) eine herrliche Erfrischung bei Außentemperaturen von knapp unter 40 Grad ist, wird für Fische zunehmend zur Qual. Steigen die Temperaturen in den Flüssen in den nächsten Tagen weiter an, wird es gefährlich für die Tiere. Ab 28 Grad droht ein Fischsterben, weil es dann zu wenig Sauerstoff im Wasser gibt. In Fankel (Cochem-Zell) stieg die Temperatur in der Mosel gestern bereits auf 27,3 Grad an. In Kanzem (Trier-Saarburg) wurden 26,2 Grad in der Saar gemessen.

Noch bestehe aber keine Gefahr für die Lebewesen in den rheinland-pfälzischen Flüssen, heißt es beim rheinland-pfälzischen Umweltministerium. "Die Lage ist noch nicht dramatisch", sagte eine Ministeriumssprecherin gestern. Wegen der gewitterbedingten Abkühlungen seien die Wassertemperaturen etwas gefallen. Selbst wenn es stellenweise in den Flüssen mehr als 28 Grad warm werde, bedeute das nicht, dass sofort massenweise Fische sterben würden. Die Tiere hätten dann aber "mehr Stress", und es gehe ihnen schlechter. Weil aber derzeit die Wasserstände noch relativ hoch seien, gebe es keinen Saustoffmangel in den Gewässern, so die Ministeriumssprecherin.

Noch gehe es den Fischen in Saar und Mosel gut, sagt auch Georg Ohs, Präsident des rheinland-pfälzischen Angelverbandes. "Aber das kann sich von heute auf morgen ändern", sagt der aus Schoden (Trier-Saarburg) stammende Angler.

Vorsorglich hat die für die Gewerbeaufsicht zuständige Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd Industriebetriebe in Flussnähe wie etwa den Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen aufgefordert, ihre Einleitungen von aufgeheizten Abwässern zu drosseln.

Auch Atomkraftwerke müssen ihre Leistungen zurückfahren, wenn die Flüsse, aus denen sie ihr Kühlwasser entnehmen, zu heiß werden. Wenn die Kraftwerke das aufgeheizte Wasser wieder zurück in die Flüsse leiten, steigt deren Temperatur noch mehr. In Baden-Württemberg rechnet das Umweltministerium damit, dass Rhein und Neckar am Wochenende die 28-Grad-Marke erreichen. Dann müssten Kohle- und Kernkraftwerke grundsätzlich vom Netz genommen werden.

In Frankreich laufen die Atomkraftwerke derzeit noch mit voller Leistung. Auch das in Cattenom unweit der deutsch-luxemburgisch-französischen Grenze. Man habe keinen Einfluss darauf, ob das Kraftwerk in Cattenom abgeschaltet werde, heißt es im Mainzer Umweltministerium.

Mit anderen Worten: Wird in Cattenom unvermindert Strom produziert, könnte es leicht sein, dass die Temperaturen in der Obermosel entlang der deutsch-luxemburgischen Grenze in den nächsten Tagen doch noch dramatisch steigen.