Abkehr vom Kirchturmdenken

Das ist zugegebenermaßen schon starker Tobak, was ein Raumplaner wie Professor Treuner da vorschlägt. Gewachsene Strukturen aufgeben, neue Schwerpunkte setzen, als Gesamtregion denken. Weg von der Gießkannenverteilung aller Mittel, die auch noch dem letzten Dörfchen ein schmuckes Bürgerhaus beschert hat, jedem Örtchen seine Grundschule, jeder VG ihr Gymnasium.

Stattdessen die Stadt Trier zu einem Kraftfeld machen, flankiert von einigen wenigen, gut angebundenen und ausgestatteten Zentral- und Achsenstädten. Man kann es sich leicht machen, die emotionale Leier auspacken und die ganzen Rezepte in Bausch und Bogen in das Reich des Bösen verbannen. Aber es sind keine wissenschaftlichen Planspiele aus dem Elfenbeinturm der Hochschule, die Treuners Überlegungen speisen, sondern die blanke Realität. Die Deutschen werden weniger, und es wird eine erbitterte Konkurrenz um Menschen geben. Arbeitsplätze werden sich an bestimmten Standorten konzentrieren, Mobilität wird teurer, traditionelle Bindungen lösen sich auf. Die Leute werden dort leben, wo sie einen Job finden. Vieles andere wird via Internet erledigt. Wer solche Megatrends jetzt aufnimmt, wird in 30 Jahren zu den Gewinnern gehören, wer sie ignoriert, ist bei den Verlierern. Da nützt es wenig, wenn sich die Sachwalter der Kirchturmspolitik wie der Kapitän der Titanic auf der Kommandobrücke hinzustellen und den Untergang abwarten, bis zuletzt regungslos salutierend.Die Trierer Zukunftswerksta(d)tt ist ein Feld, auf dem tabulos über die Entwicklungsperspektiven der Region diskutiert werden kann. Alle Akteure sollten diese Chance nutzen. Und sie sollten nicht beim Diskutieren stehen bleiben. d.lintz@volksfreund.de