"Ärzte sind nicht gierig"

Carl-Heinz Müller, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, wehrt sich gegen den Vorwurf, Ärzte seien gierig. Mit dem Trierer Arzt sprach unser Redakteur Bernd Wientjes.

Trier. (wie) Herr Müller, sind alle Ärzte so gierig, wie vom Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern dargestellt?

Müller: Nein. Falls sie überhaupt gierig sind, ist es nach einem verlässlichen Honorar.

Der KBV wird aber genau das vorgeworfen, dass es eben kein verlässliches Honorarsystem gibt.

Müller: Die Kritik ist unberechtigt. Wir haben den Gesetzgeber darauf hingewiesen, dass wir eine Übergangsphase von drei Jahren für das neue Honorarsystem brauchen. Wir haben gerade vier Wochen Zeit für die Umstellung gehabt.

Waren die Probleme nicht vorher absehbar?

Müller: In der Form nicht. Als die Honorar-Reform im Sommer beschlossen wurde, war die Entwicklung der ärztlichen Vergütung 2008 noch nicht abzusehen. Einige Arztgruppen hatten nämlich im vergangenen Jahr tatsächlich einen Honoraranstieg. Und die haben jetzt in der Tat weniger.

Die Stimmen mehren sich: Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollen abgeschafft werden.

Müller: Die Kassenärztlichen Vereinigungen sind ja nicht nur für die Honorarverteilung zuständig. Eine ihrer Hauptaufgaben ist die Qualitätssicherung der ärztlichen Versorgung. Die Vereinigungen sind für eine flächendeckende Patientenversorgung zuständig.