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Ärzte und Kliniken verteidigen Geschäfte mit Pharma-Firmen

Ärzte und Kliniken verteidigen Geschäfte mit Pharma-Firmen

Arzneimittelhersteller bezahlen Ärzte aus der Region dafür, dass sie auf Veranstaltungen Vorträge halten. Auch Kongresse von regionalen Kliniken werden durch die Pharmaindustrie gesponsort. Krankenkassen sehen dadurch die ärztliche Unabhängigkeit gefährdet.

56.479 Euro. So viel haben Pharmaunternehmen im vergangenen Jahr an das Trierer Brüderkrankenhaus bezahlt. Das Mutterhaus in Trier hat auf diese Weise 29.776,50 Euro eingenommen. Auch andere Kliniken und etliche der 900 niedergelassenen Ärzte in der Region erhalten Geld von Arzneimittelherstellern und Forschungsunternehmen.

Zum Beispiel der Internist Patrick Albrecht aus Bitburg. 5541 Euro wurden ihm im vergangenen Jahr überwiesen an Honoraren, Tagungsgebühren, Auslagen und Reisekosten. Er habe sechs Vorträge auf von Pharmafirmen angebotenen Fortbildungen für niedergelassene Ärzte gehalten, sagt Albrecht. Für die bis zu dreistündigen Vorträge brauche er ein Wochenende Vorbereitungszeit, zwischen 800 und 1200 Euro pro Veranstaltung erhalte er.

Albrecht ist einer von rund 80 Ärzten in der Region, die zugestimmt haben, dass Pharma-Unternehmen ihre Zahlungen an die jeweiligen Ärzte und Kliniken veröffentlichen. Bundesweit haben von 71.000 Ärzten lediglich 21.000 der Veröffentlichung zugestimmt. Spiegel online und das Recherchezentrum Correctiv haben die Zahlen in einer Datenbank zusammengestellt. Dort kann man nachlesen, wie viel Geld womöglich sein Hausarzt von der Pharmaindustrie kassiert hat.

Er fühle sich dadurch nicht gekauft oder verpflichtet, irgendwelche Medikamente bevorzugt zu verordnen, sagt der Trierer Urologe Friedrich-Wilhelm Schäffner. 1232 Euro hat er bekommen, als "Unterstützungen zu Teilnahmen an Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen". Auch die beiden Trierer Krankenhäuser sehen in den Zahlungen der Pharma-Industrie nichts Verwerfliches. Es handele sich um Sponsoringgelder, mit den die Unternehmen Fortbildungsveranstaltungen und Kongresse der Kliniken unterstützten, heißt es aus den beiden Häusern.

Die Krankenkassen sehen die Zahlungen an die Ärzte und Krankenhäuser kritisch. Eine "unbewusste Beeinflussung seitens der Pharmaindustrie" könne nicht ausgeschlossen werden, sagt Tanja Börner, Sprecherin des Ersatzkassenverbandes Rheinland-Pfalz.

Pharma-Sponsoring zum Wohle der Patienten?