Kriminalität: Aktenzeichen XY gelöst

Kriminalität : Aktenzeichen XY gelöst

Immer wieder gehen die Trierer Ermittler mit ungelösten Kriminalfällen in die Fernsehfahndung. Oftmals hat sich das ausgezahlt.

Kann ein anderthalb Jahre zurückliegender Mordanschlag in Osburg (Kreis Trier-Saarburg) durch die Austrahlung des Falls in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ geklärt werden? Das hoffen die Ermittler der Trierer Mordkommission. Es wäre nicht das erste Mal, dass nach einer Fernsehfahndung Bewegung in einen Kriminalfall aus der Region kommt, der bis dahin nicht geklärt werden konnte.

Der wohl spektakulärste Fall ist der Fall der 1982 verschwundenen 18-jährigen Eifelerin Lolita Brieger. Erst drei Jahrzehnte nach dem mysteriösen Verschwinden der aus dem nordrhein-westfälischen Frauenkron stammenden jungen Frau wurde 2011 ihre Leiche auf einer längst stillgelegten und renaturierten Mülldeponie entdeckt, nachdem „Aktenzeichen XY … ungelöst“ über den Vermisstenfall berichtet hatte. Die Trierer Mordermittler stießen nach der Ausstrahlung auf einen Zeugen, der angab, dem ehemaligen Freund Lolitas damals bei der Beseitigung des Leichnams geholfen zu haben.

Das Logo der Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“. Foto: Matthias Balk

Der beschuldigte Landwirt wurde festgenommen, im März 2012 begann gegen den damals 50-Jährigen der Prozess vor dem Trierer Landgericht. Die Anklage vertrat damals Staatsanwalt Eric Samel, der auch im aktuellen Osburger Fall wieder die Fäden in der Hand hält.

Der beharrlich schweigende Angeklagte wurde am Ende des sich über drei Monate hinziehenden Prozesses freigesprochen, obwohl der im Vulkaneifelkreis lebende Landwirt nach Ansicht des Gerichts seine zum Tatzeitpunkt von ihm schwangere Ex-Freundin getötet hatte. Allerdings wertete die Kammer das Gewaltverbrechen als Totschlag. Weil Totschlag nach 20 Jahren verjährt, konnte der Mann am Ende nicht verurteilt werden.

Auch der tödliche Raubüberfall auf einen Geschäftsmann aus der Vulkaneifel in der Nacht zu Heiligabend 2005 wurde erst fast zehn Jahre später geklärt. Nachdem im Frühjahr 2014 die ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ über den Fall berichtet hatte, meldete sich eine Zeugin, deren Hinweis letztlich auf die Spur der Täter führte. Fast ein Jahr wurde gegen das Quartett vor dem Trierer Landgericht verhandelt. Für die fünfköpfige Kammer stand am Ende fest: Drei der vier Angeklagten im Alter zwischen 29 und 47 Jahren waren an dem Verbrechen beteiligt. Der Hauptangeklagte, ein 37 Jahre alter Mann aus der Eifel, tötete den Geschäftsmann. Sein Schwager nahm die Beute – rund 6000 Euro – an sich. Und der Dritte im Bunde soll den Überfall geplant haben. Der vierte Angeklagte war nach Ansicht des Gerichts nicht an der Tat beteiligt. Der Hauptangeklagte wurde im Juni 2016 wegen Raubes mit Todesfolge und Totschlags zu einer 15-jährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Der Mann ist mehrfach vorbestraft, beging das Mehrener Gewaltverbrechen sogar während eines Hafturlaubs.

Auch im sogenannten Mord-ohne-Leiche-Fall führte letztlich ein nach der Aktenzeichen-Ausstrahlung eingegangener Hinweis zur Aufklärung, auch wenn die Leiche des mutmaßlichen Opfers Walter Klein bis heute nicht gefunden wurde. Der Rentner aus Oberlascheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm) verschwand vor über elf Jahren spurlos. Das Ungewöhnliche an dem Fall: Walter Klein wird zwar weiter in der Vermisstendatei des Landeskriminalamts geführt. Doch die Ermittler sind sich sicher, das Schicksal des Rentners zu kennen: Walter Klein wurde ermordet. Ein Tatverdächtiger wurde zweieinhalb Jahre nach dem spurlosen Verschwinden Kleins verhaftet und später wegen Mordes verurteilt.

Dazu wäre es ohne die Aus­strahlung des Falls in der Aktenzeichen-Sendung wohl nie gekommen. Eine ehemalige Nachbarin Kleins gab seinerzeit den entscheidenden Hinweis. Der später verurteilte Täter hatte demnach dem Lebensgefährten der Nachbarin einst 10 000 Euro angeboten, wenn dieser den Rentner umbringe. Der Lebensgefährte lehnte die Offerte empört ab, erzählte aber seiner Freundin davon, die es bis zur Fernsehfahndung für sich behielt.

Drei Fälle, in denen die ZDF-Sendung den Trierer Mordermittlern den entscheidenden Hinweis lieferte, um den Täter zu überführen. Aber es gab auch regionale Kriminalfälle, bei denen die Fernsehfahndung bislang nicht zum Erfolg führte. So berichtete „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ vor anderthalb Jahren bereits zum zweiten Mal über den inzwischen 30 Jahre zurückliegenden Mord an der Triererin Beatrix Hemmerle. Die alleinerziehende Frau wurde im August 1989 in ihrer Wohnung in der Nähe der Universität erstochen. Der zwölfjährige Sohn hatte seine Mutter damals sterbend aufgefunden.

Nach der neuerlichen Ausstrahlung des Falls im Juni 2017 gingen erneut einige Hinweise ein. Doch zum mutmaßlichen Täter führten sie nicht.

Seine Leiche ist bis zum heutigen Tag nicht gefunden worden: der vermisste Rentner Walter Klein. Foto: TV
Ermordet: Simone Dewenter. Foto: g_pol3 <tdt@volksfreund.de>

Auch der mittlerweile über 16 Jahre zurückliegende Mord an der Kölner Prostituierten Simone Dewenter (Foto: TV-Archiv) konnte trotz Fernsehfahndung bislang nicht geklärt werden. Die Leiche der 30-Jährigen war am 1. Januar 2003 auf einem Parkplatz bei Schweich gefunden geworden – 150 Kilometer entfernt von Simis „Arbeitsplatz“. Seitdem suchen die Beamten der Trierer Mordkommission gemeinsam mit nordrhein-westfälischen Kollegen den Mörder der fast gehörlosen Prostituierten – bislang vergeblich.

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