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Aktion! Sale! Rabatt! Prozente!

Aktion! Sale! Rabatt! Prozente!

Schnäppchen oder Mondpreis? Worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten, und warum nicht jeder Händler in der Region einen Preisnachlass gibt.

Wer durch die Fußgängerzonen und Geschäfte geht oder im Internet nach Produkten sucht, stößt nahezu überall auf Rabattaktionen, Preisnachlässe und satte Prozente. Verbraucherschützer mahnen die Kunden allerdings, nicht alles für bare Münze zu nehmen. "Gerade bei großen Rabatten ab 15 Prozent sollten Verbraucher skeptisch sein", sagt Christian Gollner von der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale. Sein Tipp: Ein Preisvergleich lohne sich immer.

Seit vor 16 Jahren das Rabattgesetz weggefallen ist, werden Preisnachlässe in teils zweistelliger Höhe quasi das ganze Jahr über gewährt. "Die Rabattaktionen beginnen immer früher. Man kann auch sagen, sie hören gar nicht mehr auf", spöttelte einst der frühere Deutschland-Chef der Werbeagenturgruppe Grey, Uli Veigel.

Der Handelsexperte der Trierer Industrie- und Handelskammer, Sebastian Keck, sieht den Verbraucherschutz durch die grassierende "Rabattitis" nicht bedroht. Die Befürchtungen, dass durch den Wegfall des Gesetzes die Preistransparenz eingeschränkt und durch die Kunden nur noch gefeilscht werde, hätten sich nicht bewahrheitet, sagte Keck unserer Zeitung. "Jeder kann im Prinzip jederzeit den Wert einer Ware im Internet überprüfen."

Der Trierer Handelsexperte findet es positiv, dass seit Wegfall des Rabattgesetzes die Händler mehr Freiräume bei der Preisgestaltung haben. So könne besser auf Kundenwünsche, Trends und Wetter reagiert werden, sagt Keck. Coupons, Bonus- oder Kundenkarten seien daneben geeignete Mittel, um Kunden durch gezielte Rabattaktionen zu binden.

Verbraucherschützer Christian Gollner rät bei Kundenkarten zur Vorsicht. Sie dienten vor allem dazu, Verbraucher zum Wiederkommen zu bewegen. Mit der Folge, dass sie schon mal mehr bezahlten als in einem anderen Geschäft, "weil der Preisvergleich unterbleibt", sagt Gollner.

Georg Kern, der Präsident des regionalen Einzelhandelsverbands, kontert auf die Frage nach Preisnachlässen mit einem provozierenden Spruch: "Wer Rabatte gibt, war vorher zu teuer", sagt Kern, der in Trier Geschäftsführer des Musikhauses Reisser ist. Nach seiner Beobachtung ist bei vielen Kollegen "die Luft für große Rabatte raus". Wenn es dennoch einer mache, dann womöglich aus der Not heraus.

Wozu die Rabattitis führen kann, war vor einiger Zeit bei der am Ende insolventen Baumarktkette Praktiker zu sehen. Zuvor hatte das Unternehmen jahrelang mit dem Slogan "20 Prozent auf alles - außer Tiernahrung" geworben mit dem Ergebnis, dass Kunden dort nur noch in Rabatt-Zeiten kauften und ansonsten einen Bogen um die Märkte machten. "Ein Beispiel dafür, wie sich Unternehmen durch Rabattaktionen selbst in Schwierigkeiten bringen können", sagt der Trierer Universitätsprofessor und Handelsexperte Bernhard Swoboda im neuen Macher. Verbraucherschützer sehen ein weiteres Problem. Wenn beim Kauf der Preis ins Zentrum des Interesses rücke, gerieten andere Produkteigenschaften wie Qualität, Service oder Nachhaltigkeit in den Hintergrund. Im Extremfall werde ein vermeintliches Schnäppchen gekauft, das man gar nicht benötige.