Alles veggie, oder was?

Top oder Flop - das Jahr 2013 neigt sich dem Ende entgegen. Über wen oder was hat die Republik gesprochen? Unser Berliner Büro resümiert die vergangenen zwölf Monate - mit einem leichten Augenzwinkern.

Berlin. Ursula von der Leyen. Wie macht sie das bloß? Sieben Kinder, viele Ämter, und eine Frisur, die immer wie Beton liegt. "Nur" Gesundheitsministerin sollte sie werden. Pah! Will ich nicht, hat sie gemeckert. Also gab Angela Merkel ihr flugs das Verteidigungsressort und die Kronprinzessinnen-Rolle dazu. Jetzt ist sie die Mutti der Kompanie. Aber ohne Helm, wegen der Frisur. Top.

Die FDP. Raus aus dem Bundestag, raus aus allen gut bezahlten Ämtern, rein in die Depression. Von Rainer Brüderle bleibt nur der Sexismus-Vorwurf, von Dirk Niebel die Fallschirmspringer-Mütze. Und von Philipp Rösler, äh, von Philipp wer? Jetzt sind die Liberalen erst recht das, was sie vor der Bundestagswahl schon gewesen sind - ein Schatten ihrer selbst. Mega-Flop.

Peter Ramsauer. Der "Zar", wie ihn sein Parteichef Horst Seehofer verspottet hat, wurde von ebendiesem abserviert. Vom Verkehrsminister zum Hinterbänkler. Kürzlich hat Ramsauer mal über die Dosen eines polnischen Tatra-Biers philosophiert. Darauf ist nämlich ein Bauer abgebildet, der genau wie Ramsauer aussieht. Da winkt doch eine neue Karriere! Flop.

Hans-Dietrich Genscher. Genschman ist wieder da. Das ist der Mann, von dem gesagt wird, er sei in seiner aktiven Zeit als Außenminister so viel gereist, dass er sich selbst in der Luft begegnen konnte.
Der wandelnde gelbe Pullover hat im Fall des Russen Chodorkowski mal kurzerhand gezeigt, wie Diplomatie wirklich funktioniert. Top.

Merkels Handy. Klingelingeling, Klingelingeling - hier spricht die NSA. Was war die Kanzlerin sauer, als sie erfuhr, dass ihr Handy von den Amis abgehört und kontrolliert wird. Sie, die so flink simsen kann wie eine 14-Jährige. Dabei hatte ihr Pofalla die NSA-Affäre doch für beendet erklärt. Die Deutschen sollten sich nicht so anstellen. Aber wehe, Muttis Handy klingelt. Flop.

Christian Ströbele. Der alte Mann auf dem Fahrrad hat es allen mal wieder bewiesen. Ab nach Moskau und Edward Snowden besucht. Respekt. Sein Handy hat der 74-jährige Grüne vor dem Treffen im Hotelsafe eingeschlossen. Sicher ist sicher in diesen abhörfreudigen Zeiten. Irgendwie scheint Ströbele in Sachen Telefon auch schlauer zu sein als die Kanzlerin. Top.

Der Veggie-Day. Alles veggie, oder was? Der fleischlose Öko-Gau der Grünen ist der Lacher des Jahres. Wie bereitwillig dämlich von Künast bis Göring-Eckardt alle den Unsinn im Wahlkampf noch verteidigt haben! Und von wegen Veggie - mitten in ihrem Wahlspot ließen die Grünen ein Schwein auf die Wiese pinkeln. Wie lautete noch ihr Slogan? Ach ja: "Und Du?" Flop.

Hannelore Kraft. Erst war die Ministerpräsidentin aus NRW gegen die große Koalition, dann total dafür. Anschließend trat sie ihr Image der roten Hoffnungsträgerin noch rasch selbst in die Tonne: "Ich werde nie, nie als Kanzlerkandidatin antreten." Wie kraftlos. Christian Wulff hat das übrigens von sich mal so ähnlich gesagt. Er wurde dann Bundespräsident. Flop.

Die PKW-Maut. Angelas Mondfahrt. "Mit mir wird es keine PKW-Maut geben", hat sie im Fernsehduell mit dem - Zitat Stefan Raab - "King of Kotelett" Peer Steinbrück von der SPD gesagt. Jetzt steht die Maut im Koalitionsvertrag. Umsetzen muss sie die CSU. Drei Vignetten hat der neue Minister Dobrindt übrigens schon an seinem Dienstwagen kleben. Flop bleibt trotzdem Flop.

Die Drohne. Ex-Verteidigungsminister Thomas de Maizière im Blindflug. Und das alles wegen einer Drohne namens Euro-Hawk, die nicht fliegen konnte, dafür aber mit 500 Millionen Euro superteuer war. Merkels heimlicher Bürokratieminister wusste auch nicht mehr, wann er was vom Drohnengau gehört hat. Jetzt macht er halt Inneres. Aber das Geld ist futsch. Flop.

Angela Merkel und Sigmar Gabriel. Die "Perle aus der Uckermark" holte bei der Bundestagswahl 41,5 Prozent, und der "Harzer Roller" mauserte sich vom Pop-Beauftragten zu August Bebel 2.0. Beide haben die große Koalition gezimmert, obwohl sie sich im Wahlkampf noch spinnefeind waren. So ist Politik. Top.