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Allgemeiner Tenor: „Kein Grund für Hysterie"

Berlin. Unsere Redaktion fragte deutsche Politiker zu ihren Gefühlen bei Donald Trumps Amtsantritt. Hier die Einschätzungen: Werner Kolhoff

Wolfgang Thierse (SPD), ehemaliger Bundestagspräsident: "Wer seinen Wahlerfolg nicht zuletzt mit chauvinistischen, sexistischen und rassistischen Äußerungen erreicht hat, der löst bei mir nur Befürchtungen aus. Was wird das für eine Welt werden, in der Politiker-Typen wie Putin, Erdogan, Xi Jinging und nun auch Trump das Sagen haben, das ist die beunruhigende Frage, die mich bewegt. Europa wird einiger und selbstbewusster werden müssen, damit es von den genannten Herren noch ernstgenommen wird."

Peter Tauber (CDU), Generalsekretär "Ich hoffe, dass er sich im neuen Amt seiner Verantwortung und Macht bewusst wird und zu mehr Maß und Mitte findet. Das sage ich gerade als jemand, dem die transatlantische Freundschaft am Herzen liegt."

Simone Peter, Grünen-Vorsitzende: "Trumps Parole America First konkretisiert sich dramatisch. Er droht mit Handelsbeschränkungen, um bisherige Partner zu schwächen. Und mit seiner Absage an eine humane Flüchtlingspolitik schürt er global Ressentiments gegen Schutzsuchende. Wir Europäer müssen uns dem Nationalismus und Protektionismus entschlossen entgegenstellen und die Solidar- und Friedensunion Europa verteidigen."

Manfred Weber (CSU), Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament: "Die Antwort Europas auf US-Präsident Trump ist: Europa muss erwachsen werden und mehr Verantwortung übernehmen. Wir sind der Hort von Werten, Stabilität und des europäischen Lebensstils. Dies müssen wir verteidigen. Wir setzen selbstbewusst auf ein enges Miteinander mit den USA, aber es macht keinen Sinn, sich weiter an die Schulter der USA anzulehnen. Es muss gelten: Europe first."

Christian Lindner (FDP), Bundesvorsitzender: "Donald Trump ist gewählter Präsident. Kein Grund für Hysterie, sondern für kühlen Kopf. Man sollte Trump nicht an Tweets oder Interviews messen, sondern seinem Handeln. Welche Politik er wirklich verfolgt, zeigt sich dann. Klar ist: Die USA bleiben unser wichtigster Partner. Es ist in unserem Interesse, dass der Atlantik nicht breiter wird. Wir müssen für EU, Nato und Freihandel werben. Der Dialog muss sofort beginnen."

Sahra Wagenknecht (Linke), Fraktionsvorsitzende: "Ich weiß nicht, ob Trump sein Versprechen, die Beziehungen zu Russland zu verbessern, unter dem zu erwartenden Druck der US-Rüstungs- und Kriegslobby einhalten kann. Die Bundesregierung sollte die Wahl Trumps auf jeden Fall zum Anlass nehmen, sich für eine eigenständige europäische Außenpolitik einzusetzen, die die US-Ölkriege und Drohnenmorde nicht länger unterstützt und die Sanktionen gegen Russland beendet."