Als "Bufdi" was leisten - und dann in den Job

Als "Bufdi" was leisten - und dann in den Job

Der Bundesfreiwilligendienst scheint ein Erfolgsprojekt zu werden. Die Nachfrage nach den bundesweit 35 000 Stellen ist groß. Und für einige Freiwillige ist der Dienst sogar ein berufliches Sprungbrett.

Trier. Für Thekla Feilen begann im vergangenen Jahr ein neuer Lebensabschnitt. Weil sich an der familiären Situation der Trie rerin etwas geändert hatte, wollte die gelernte Erzieherin wieder arbeiten gehen. Kein einfaches Unterfangen für eine 49-Jährige, die seit zehn Jahren nicht mehr gejobbt hat.
Thekla Feilen machte auf Kosten der Arbeitsagentur einen dreimonatigen Qualifizierungskurs als Betreuungskraft für Demenzkranke. Ihr Praktikum machte sie in einem Trierer Seniorenzentrum. Weil sie nach der Zusatzausbildung nicht gleich einen neuen Job fand, bewarb sie sich in der Alteneinrichtung um eine BFD-Stelle.
Erfolgreich. Im Mai vergangenen Jahres fing Thekla Feilen dort mit ihrem Freiwilligendienst an.
Das Beispiel der inzwischen 50-jährigen Triererin ist kein Einzelfall. Der vor zwei Jahren gestartete Bundesfreiwilligendienst wird zunehmend auch von Menschen jenseits der 30 nachgefragt. Nach der aktuellen Statistik des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben sind derzeit gut 8000 der 34 200 Bufdis älter als 50 Jahre. In Rheinland-Pfalz sind es immerhin noch 86 von 1052 Freiwilligen. "Und die Zahl wird in den nächsten Jahren weiter steigen", glaubt Hans Wax von den Sozialen Lerndiensten im Bistum Trier, mit 600 Stellen einem der großen Anbieter von freiwilligen Diensten in der Region. Die Motivation der Interessenten sei dabei völlig unterschiedlich, hat Wax beobachtet, der nach eigenen Worten selbst "positiv überrascht ist, wie die Sache läuft".
Von einer großen Nachfrage berichten auch die anderen rheinland-pfälzischen BFD-Anbieter. "Das Interesse am Freiwilligendienst ist sehr hoch", sagt Katharina Ossadnik vom Deutschen Roten Kreuz. Vor allem im Rettungsdienst oder in der Pflege gebe es aber noch unbesetzte Stellen. Auch der Einsatzort ist offenbar entscheidend. Stellen in den Großstädten seien rasch wieder besetzt, auf dem Land dagegen laufe es schleppender, sagt die Rotkreuz-Expertin. "Viele junge Leute wollen einen attraktiven Ort zum Arbeiten."
Hans Wax kennt ein anderes Motiv von jungen Bewerbern für den Bundesfreiwilligendienst oder ein weniger stark gefördertes Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr. "Uns sagen viele Jugendliche: Wir haben jetzt erst einmal genug Druck in der Schule gehabt. Bevor es mit dem Druck im Studium weitergeht, machen wir jetzt erst einmal etwas ohne Druck." Andere junge Leute wollten dagegen mal schauen, ob ein Job im sozialen oder karitativen Bereich das Richtige ist. Viele, die früher durch den Zivildienst oder heute durch den Bundesfreiwilligendienst in diesen Bereich hineingeschnuppert hätten, seien anschließend auch weiter etwa in der Alten- oder Krankenpflege tätig geblieben. Mit ein Grund, warum sich Experte Hans Wax nun dafür starkmacht, dass der Bund mehr Geld für BFD-Stellen zur Verfügung stellt.
Für die Triererin Thekla Feilen war die Freiwilligendienststelle in einem katholischen Seniorenzentrum jedenfalls ein berufliches Sprungbrett nach langer Abwesenheit von einem festen Job. Schon nach einem guten halben Jahr bot die Trierer Einrichtung der 50-Jährigen Erzieherin eine Festanstellung an. Feilen kündigte daraufhin vorzeitig die BFD-Stelle und kümmert sich seit Februar nun halbtags um die soziale Betreuung von Demenzkranken. "Der Freiwilligendienst war wichtig, um Berufspraxis zu bekommen", sagt die Erzieherin, "aber ohne meine Qualifikation hätte ich den Job auch nicht bekommen."Extra

Den Bundesfreiwilligendienst BFD gibt es seit Juli 2011. Er richtet sich an alle: Frauen und Männer, Alte und Junge, Deutsche und Ausländer. Die Freiwilligen können eine Zeit lang in Krankenhäusern oder Behindertenheimen, aber auch im Bildungs-, Sport- oder Kulturbereich mitarbeiten. Der Dienst steht allen Altersklassen offen und dauert in der Regel ein Jahr. Der Dienst kann aber auch auf sechs Monate verkürzt oder auf maximal 24 Monate verlängert werden. Die Freiwilligen erhalten bis zu 348 Euro monatlich. sey

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