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Alt, krank, verzweifelt: Jeder fünfte Rentner steckt in der Armutsfalle

Alt, krank, verzweifelt: Jeder fünfte Rentner steckt in der Armutsfalle

Vielen Rentnern geht es gut. Armut im Alter bleibt oft im Verborgenen. Doch die Perspektiven werden schlechter. Mit einer Folge der zunehmenden Gefahr von Altersarmut haben auch die Sozialgerichte im Land zu kämpfen. Sie verzeichnen immer mehr Klagen gegen Rentenbescheide.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gibt sich gerne kämpferisch. Definitiv keinen Spaß versteht die größte Lobbyvertretung für Arbeitnehmer, wenn es um das Thema Armutsgefährdung in Rheinland-Pfalz geht. 86.000 von knapp 520.000 Einwohnern in der Region sind nach DGB-Berechnungen derzeit von Armut betroffen oder bedroht. "Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander", sagt Gewerkschaftssekretär James Marsh.

Von dem zunehmenden Risiko, dauerhaft weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens zur Verfügung zu haben, seien zunehmend auch die Menschen im Alter über 65 Jahren betroffen. Laut Marsh lebt schon jetzt jeder fünfte Rentner im Land am Rande der Armut oder ist auf staatliche Hilfe angewiesen. Für Einpersonenhaushalte gelten 942 Euro als Schwelle. Betroffen seien vor allem Frauen.

Wie sehr die Sorge um einen Ruhestand in Armut die Menschen beschäftigt, zeigt auch ein Blick in den Jahresbericht des Landessozialgerichts mit Sitz in Mainz. Demnach haben sich die vier Sozialgerichte in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr besonders häufig mit Klagen beschäftigt, bei denen es um die finanzielle Sicherheit im Alter ging. 3400 der insgesamt 15.900 neuen Rechtsfälle betrafen dieses Thema. Mehr Verfahren gab es lediglich zur Grundsicherung für Arbeitslose (3600). Die Landesregierung kündigt im Koalitionsvertrag an, mit Kommunen, der Wissenschaft und dem Parlament einen landesweiten Aktionsplan gegen Armut zu erstellen. Im Mittelpunkt soll dabei das Thema Bildung stehen.

Mit der steigenden Lebenserwartung ist aber auch Krankheit ein zunehmender Risikofaktor für Altersarmut. Triers Sozialdezernentin Angelika Birk: "Viele bedenken nicht, was es bedeutet, pflegebedürftig zu werden. Ich habe jede Woche Fälle auf dem Schreibtisch, bei denen Häuser verkauft werden müssen, um Pflegeleistungen zu bezahlen."

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