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Am Montag öffnen die Friseursalons wieder: Was Kunden jetzt wissen müssen.

Waschen, Schneiden, Föhnen : Am Montag öffnen die Friseursalons wieder: Was Kunden jetzt wissen müssen

Nach gut sechs Wochen dürfen am Montag die Friseursalons wieder öffnen. Die rund 600 Coiffeure der Region Trier stehen in den Startlöchern. Doch die Auflagen für sie und die Kunden sind hoch.

„Wir Friseure lieben den Menschen“, sagt Guido Wirtz, Landesinnungsmeister des Landesverband Friseure & Kosmetik aus Körperich (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Doch diese Liebe wurde seit dem 23. März auf eine harte Probe gestellt, nachdem jegliche Friseurtätigkeit aufgrund der Corona-Pandemie in Deutschland untersagt wurde. Zu Berge stehende Haare, herausgewachsene Farbe, zottelige Schnitte: Selbst Politiker wie Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Markus Söder (CSU) oder Wilfried Kretschmann (Grüne) sehnen sich nach frischer Farbe oder einem zackigen Schnitt.

Umso mehr fiebern Wirtz und seine 577 Kollegen sowie die 114 Azubis auf den kommenden Montag hin, wenn die Salons wieder öffnen dürfen – und zwar theoretisch von montags bis samstags von 6 bis 22 Uhr: „Wir freuen uns, endlich wieder eine Schere in die Hand nehmen zu dürfen“, sagt er. Denn das Berufsverbot hat viele Existenzen in diesem Handwerk bedroht. Zwar hat auch der Eifeler Friseurmeister für seine neun Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. „Aber die Einschnitte sind groß“, sagt Dirk Kleis, Geschäftsführer des Landesverbands Friseure und Kosmetik. Da bleibe bei einem frischgebackenen Meister von den rund 2600 Euro brutto im Monat nicht viel übrig, junge Gesellen verdienen mit rund 2000 Euro noch weniger. Und das Trinkgeld von rund 300 Euro im Monat fehlt zusätzlich im Portmonnaie. Folglich sind immer wieder schwarze Schafe in der Branche aufgetreten, die schwarz Haare geschnitten haben und mit dem Verstoß gegen das Infektionsschutzgesetz sich und auch den Kunden in Gefahr gebracht haben. Auch in der Region Trier.

Inzwischen haben sich die Friseure gemeinsam ein Regelwerk gegeben, das „OP-ähnlichen Zuständen“ gleiche und so sei, wie es die Politik wollte, sagt Guido Wirtz: Mundschutz für Friseur und Kunde, Einmal-Umhang, Einmal-Handschuhe für den Einsatz an jedem Kunden, Desinfektion aller Werkzeuge nach jedem Kunden, 1,50-Meter-Abstände zwischen Bedienstühlen und Kasse, Spuckschutz an der Kasse: Der Arbeitsschutzstandard für das Friseurhandwerk ist sechs Seiten lang.

„Das ist ein Riesenaufwand“, sagt auch Jan Schmidt, Friseurmeister aus Hermeskeil (Kreis Trier-Saarburg). Er führt den Salon seiner Familie in vierter Generation seit 1907, und noch nie war der Salon so lange geschlossen. „Wir haben zwei Weltkriege überlebt und viele Krisen, aber der Laden war noch nie zu“, sagt der 36-Jährige, der den Betrieb vor gut zwei Jahren von seinem Vater Bernd übernommen hat. Und so steht er mit seinen fünf Mitarbeitern „in den Startlöchern“.

Am Montag wird sich bereits um 7.30 Uhr die Salontür öffnen, im Schichtbetrieb plant Schmidt vorerst bis 19.30 Uhr, in den drei Räumen kann er statt zehn Kunden fünf bis sechs gleichzeitig bedienen, der Terminkalender ist prall gefüllt. „Wir müssen abwarten, wie der Kunde unser Angebot annimmt und wie die Regeln in der Praxis umgesetzt werden können“, sagt Jan Schmidt. Da werde es auch viel „Learning by doing“ geben: Was passiert etwa mit der Mund-Maske, wenn die Haare über dem Ohr rasiert werden sollen; wie ist die Maske geschützt, wenn Haare gefärbt werden; können vielleicht doch mehr Kunden bedient werden, wenn zwischen den Stühlen Trennwände stehen; und was, wenn ein kleines Kind keine Maske hat oder sie nicht anbehält?

„Die Standards sind in der Branche unstrittig“, sagt Dirk Kleis, Landesgeschäftsführer des Friseurverbands. Aber es gebe „Hunderte Einzelfragen in der Praxis. Das macht die Sache aber auch spannend.“ Valentin M. Haier, Friseurmeister und staatlich anerkannter Colorist aus Rivenich, sieht für sich und seinen Betrieb dagegen den Neustart ohne große Aufregung.

Der Salon, den er gemeinsam mit Mutter Birgit Wagner-Haier führt, wurde renoviert, in den ersten Wochen öffnet er auch montags, die Arbeitspause hat er für sein nebenberufliches Studium Business Administration in der Beauty-Branche genutzt. „Ich hoffe, unsere Stammkunden bleiben bei der Stange. Unter ihnen gibt es Angst“, sagt er. Denn auch für den Kunden wird sich der Besuch beim Friseur ändern (siehe Info).

Hinzu kommt, dass das Haareschneiden teurer werden wird: „Wir empfehlen eine kritische Überprüfung der Kalkulation. Denn Schutzausrüstung und Desinfektion kosten viel Geld“, sagt Dirk Kleis. Realistisch geschätzt liegt die Teuerung in der Branche bei drei bis fünf Euro pro Besuch. So hoffen die Friseure, bei optimaler Auslastung rund 70 Prozent ihres vorherigen monatlichen Umsatzes erwirtschaften zu können.

 Landesinnungsmeister Wirtz gesteht: „Es wird ein Spagat für alle werden, einerseits alle Hygiene- und Sicherheitsstandards einzuhalten und andererseits dem Kunden ein Wohlfühlgefühl zu vermitteln. Aber ich kenne keinen Kollegen, der seinen Laden nicht wieder öffnen will.“