Amerika zuerst

Er werde nie zögern, militärische Gewalt anzuwenden, falls es notwendig sei. Er werde niemals einem anderen Land oder einer internationalen Institution ein Veto-Recht über Amerikas Sicherheit geben.

Er werde auf jede Attacke mit einer schnellen wie unausweichlichen Antwort begegnen. So sprach am Donnerstagabend - nein, nicht George W. Bush -, sondern sein nun offiziell nominierter demokratischer Herausforderer John Kerry in einer unerwartet kämpferischen Rede. Ob das Konzept der Demokraten aufgeht, die Republikaner damit politisch übertrumpfen zu wollen, indem sie diese imitieren und den Schwerpunkt ganz auf patriotische Verlässlichkeit legen, muss mit einem Fragezeichen versehen werden. Zwar ging John Kerry zum Ende eines Parteitags, bei dem George W. Bush weitgehend als schützenswertes Objekt behandelt wurde, den Präsidenten und sein Kriegs-Kabinett deutlich an: "Wir werden künftig nur in den Krieg ziehen, wenn wir müssen - nicht, wenn wir es wollen." Doch insgesamt verwundert, dass die Demokraten die Finger nicht tiefer in die Wunden einer Regierung gelegt haben, deren Außen- und Sicherheitspolitik die Weltmacht USA zu einem Hass-Objekt gemacht hat. Dass Europas Politiker so große Hoffnungen in John Kerry setzen, ist das beste Indiz dafür, dass sich der momentane universelle Anti-Amerikanismus gegen die politische Führung richtet. Doch Vorsicht! Auch unter John Kerry dürfte es grundsätzlich weiter heißen: "Amerika first". Denn seit Donnerstagabend steht Bushs Herausforderer damit bei den Wählern im Wort. nachrichten.red@volksfreund.de