Ami geht heim

Das amerikanische Militär muss kräftig sparen. 11 000 US-Soldaten werden deshalb in den nächsten Jahren Europa verlassen. Allein von den beiden rheinland-pfälzischen Standorten Spangdahlem und Baumholder werden insgesamt rund 3000 Militärangehörige abgezogen.

Spangdahlem. Baumholder - wie oft wurde der Name dieser Stadt in den vergangenen Wochen genannt, wenn über den bevorstehenden US-Truppenabzug geredet, besser gesagt: spekuliert wurde. Aber Spangdahlem? Dass auch die amerikanische Airbase in der Eifel von der militärischen Abspeckkur betroffen sein würde, hatten nur wenige auf der Rechnung. Seit dem späten Donnerstagabend ist das Geheimnis gelüftet. Der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta gab in Washington bekannt, welche Militäreinrichtungen in Europa geschlossen oder personell abgespeckt werden. Deutschland, wo deutlich mehr als die Hälfte der 80 000 nach Europa abkommandierten US-Soldaten stationiert ist, wird dabei besonders betroffen sein. In Baumholder wird demnach, wie erwartet, eine Infanteriebrigade aufgelöst. Gleichzeitig werden US-Logistikeinheiten von anderen Standorten in den Kreis Birkenfeld verlegt. Unter dem Strich werden künftig noch rund 2000 Soldaten und 3000 Familienangehörige in Baumholder leben; derzeit sind es noch etwa doppelt so viele.Dass auch Spangdahlem von dem Sparprogramm betroffen sein würde, hat vor Ort viele überrascht, auch wenn einige Zivilbeschäftigte am Freitag meinten: "Insgeheim haben wir schon damit gerechnet, dass es auch uns treffen könnte."Bleibt es dabei, käme das 52. Jagdgeschwader mit einem blauen Auge davon. Im nächsten Jahr sollen die 18 Kampfflugzeuge vom Typ A 10 der 81. Staffel aus Spangdahlem abgezogen werden. Die wegen ihres Aussehens auch Warzenschweine genannten Flugzeuge waren zuletzt häufig in Afghanistan eingesetzt und bombardierten dort Ziele am Boden. Mit der Staffel sollen nach Angaben des Pentagon auch 525 Soldaten der US-Luftwaffe die Eifel verlassen.Es ist der zweite Aderlass innerhalb von nur drei Jahren. Erst im Frühjahr 2010 waren 18 der 42 Kampfjets vom Typ F 16 von Spangdahlem auf einen amerikanischen Stützpunkt verlegt worden. Mit den Jets verließen damals auch knapp 600 Soldaten die Base. Zieht im nächsten Jahr die 81. Staffel ab, hätte sich die Zahl der in Spangdahlem stationierten Kampfflugzeuge innerhalb kurzer Zeit halbiert. Zum Stützpunkt gehören derzeit etwa 5000 Soldaten und 6000 Familienangehörige. 850 deutsche Zivilbeschäftigte arbeiten auf dem Flugplatz.Fragen über deren Zukunft wollte ein Sprecher der Airbase gestern nicht beantworten, verwies stattdessen ans Kommunikationsbüro im Pentagon. Betriebsratschef Klaus Rodens ist aber optimistisch, dass die Jobs durch den Abzug nicht in Gefahr sind (siehe Kasten Reaktionen). Ähnlich zuversichtlich äußerte sich am Freitag auch der Kommandeur des 52. Jagdgeschwaders, Colonel Chris Weggeman. Trotz des bevorstehenden Abzugs der Warzenschweine blicke die Airbase Spangdahlem einer glänzenden Zukunft entgegen, so der Oberst. Meinung

Fortsetzung folgtBisher hat das amerikanische Militär stets aus dem Vollen geschöpft, jetzt ist es zum Sparen verdonnert. Um rund 500 Milliarden Dollar will das Pentagon die Ausgaben in den nächsten zehn Jahren reduzieren. Das ist kein Pappenstiel. Und es ist auch nicht verwunderlich, dass die Militärs zunächst im Ausland schauen, wo Standorte dichtgemacht oder kräftig abgespeckt werden können. In Amerika ist Wahlkampf, da lässt sich mit der Schließung von Stützpunkten in den USA kaum eine Schlacht gewinnen. Was aber bedeutet der neuerliche Abzug von US-Kampfflugzeugen für die Zukunft der Airbase Spangdahlem? So viel ist sicher: Trotz millionenschwerer Investitionen und gegenteiliger Beteuerungen könnten die Amerikaner den Flugplatz schon in absehbarer Zeit ganz räumen oder zu einem reinen Ausweichflughafen für Notfälle degradieren. Denn das US-Verteidigungsministerium hat schon angekündigt, dass die jetzt eingeläutete Sparrunde fortgesetzt wird. r.seydewitz@volksfreund.de