An Fastnacht gibt's die Predigt in Reimform

An Fastnacht gibt's die Predigt in Reimform

"Ich bin Amtsträger und Mensch", sagt der neue Trie rer Weihbischof Helmut Dieser nach seiner Ernennung. Was das heißt, weiß man in Diesers Heimatpfarrei Adenau. An Fastnacht predigt der 48-Jährige schon mal in Reimform.

Trier. Den Freitag vergangener Woche wird Helmut Dieser so rasch nicht vergessen. Da schaute plötzlich Triers Bischof Stephan Ackermann in Diesers Eifeler Pfarrei vorbei und überbrachte seinem Studienkollegen die frohe Botschaft: "Ich möchte, dass du mein neuer Weihbischof wirst."

"Ich war völlig überrascht", sagt Dieser, auch wenn Leute im Umfeld des Bischofs gestern meinten, sie hätten mit dieser Personalentscheidung gerechnet. Helmut Dieser erbat sich zwei Tage Bedenkzeit, um schließlich zuzusagen. Was hätte er auch anderes machen sollen? "Es ist ja doch ein tiefer Einschnitt, der da auf einen zukommt", sagt er fast schon entschuldigend.

Aber schon bei seinem gestrigen ersten Auftritt als designierter Weihbischof an der Seite des Bischofs deutet der 48-Jährige an, dass er sich der neuen Aufgabe durchaus gewachsen fühlt. Als Stephan Ackermann mit seiner Vorstellung des Neuen fertig ist, referiert Dieser eine knappe Viertelstunde lang und nahezu druckreif über seinen Heimatort Heimbach-Weis (Stadtteil von Neuwied), über die Strukturreform im Bistum, die Bedenken der Gläubigen und Priester und seine Liebe zum Karneval. Die geht sogar so weit, dass das Mitglied der Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Adenau seinen Gottesdienstbesuchern an Fastnacht auch schon mal in Reimform die Leviten liest.

In Trier hat Helmut Dieser studiert und promoviert, war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Dogmatik und unterrichtet auch heute noch angehende Priester in Lantershofen. Aber auch als Pfarrer war er schon in seinem zukünftigen Visitationsbezirk aktiv: Von 1998 bis 2004 arbeitete Helmut Dieser als Priester für die Seelsorgeeinheit Waldrach/Kasel/Morscheid/Riveris.

Bischof Stephan Ackermann lobt denn gestern auch die "pastorale Erfahrung, die theologische Kompetenz und die menschlichen Qualitäten" seines neuen Weihbischofs. Dieser war Ackermanns "erste Wahl", wie der Bischof noch einmal eigens betont: Entgegen anderslautender Gerüchte habe es keine Absage und keine Panne gegeben.

Damit wären die Gerüchte um die über Gebühr lange Dauer bis zur Ernennung Diesers zwar vom Tisch. Dafür gibt es schon neue Spekulationen - und die betreffen Stephan Ackermann selbst. Nachdem der Papst gestern das Rücktrittsgesuch des schwer kranken Berliner Erzbischofs Georg Sterzinsky angenommen hat, wird der Trierer Bischof von der Katholischen Nachrichtenagentur KNA schon als möglicher Nachfolger gehandelt. Stichwort Weihbischof ist die deutsche Bezeichnung für Episcopus auxiliaris (Hilfsbischof). Der Weihbischof ist in der Regel einem Diözesanbischof als Mitarbeiter im Bischofsamt zugeordnet. Ein Weihbischof hat Weihegewalt, aber nicht das Recht der Nachfolge im Amt des Diözesanbischofs. Ein Weihbischof ist immer auch Titularbischof. Das heißt, er wird auf den Titel einer untergegangenen Diözese geweiht und hat damit bischöfliche Rechte und Aufgaben. Die Einrichtung des Weihbischofs entstand im Mittelalter, als immer mehr Bischöfe aus den lateinischen Bistümern des Orients durch die Sarazenen vertrieben und im Abendland aushilfsweise zu bischöflichen Weihehandlungen herangezogen wurden. Sie sind besonders in den ausgedehnten Bistümern Deutschlands, Österreichs und Polens seit Ende des Mittelalters eine feste Einrichtung. (red)