Angeklagter erweitert Geständnis

Angeklagter erweitert Geständnis

Im Kinderschänderprozess vor dem Trierer Landgericht hat der Angeklagte gestern weitere Missbrauchsvorwürfe eingeräumt. Sie waren bekannt geworden, nachdem ein Gutachter mit zwei Opfern gesprochen hatte. Ob die Vorwürfe Auswirkungen auf die Anklage oder das bevorstehende Urteil haben, war zunächst noch nicht klar.

Trier. Über weite Strecken bleibt am gestrigen Verhandlungstag gegen den mutmaßlichen Kinderschänder Christoph G. die Öffentlichkeit ausgesperrt. Es geht einmal mehr um intime Details der dem 38-Jährigen von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegten Missbräuche, insbesondere an zwei minderjährigen Brüdern aus dem Vulkaneifelkreis. Filme des Missbrauchs waren im vergangenen Jahr im Internet aufgetaucht und Christoph G. schließlich nach ihrer Ausstrahlung in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ungelöst" zum Verhängnis geworden.

Gutachter: Derzeit keine Schäden bei Zwillingen



Unter anderem auf diese Filme stützt sich die Anklage des Trie rer Staatsanwalts Stephane Parent. Offenbar gingen die Taten aber über das hinaus, was auf den Videos zu sehen ist. Entsprechende Informationen waren schon bei einem der vorausgegangenen Prozesstage bekannt geworden (der TV berichtete).

Gestern bestätigt sie der Bonner Gutachter Professor Dr. Burkhard Schade, der sich mehrmals mit den inzwischen in einem Jugendheim untergebrachten elfjährigen Zwillingen unterhalten hat. Doch in der Verhandlung bleibt zunächst unklar, ob die Missbräuche in den ohnehin angeklagten Tatzeitraum zwischen Ende 2005 und Ende 2008 fallen. Wenn dies so ist, dürfte die ohnehin deftige Anklage gegen den 38-jährigen Mayener wohl nicht erweitert werden.

Nach Angaben seines Verteidigers Hartmut Diesel räumt sein Mandant am Dienstag die Vorwürfe "vollumfänglich" ein. Damit dürfte klar sein, dass die beiden Brüder in dem Prozess auf keinen Fall aussagen müssen. Die wahrscheinlich noch bessere Nachricht: Die Kinder entwickeln sich nach Angaben des Gutachters gut, der mehrfache Missbrauch scheint sich zumindestens derzeit nicht negativ auf die Zwillinge auszuwirken. Allerdings sagt Professor Schade auch, dass mit "einer gewissen Wahrscheinlichkeit Spätschäden auftreten werden".

"Pendel kann positiv oder negativ ausschlagen"



Ähnlich hatte sich unlängst auch ein Betreuer der Jungen geäußert: "Ich kann bei ihnen keine größeren Anzeichen feststellen, wie wir sie von anderen missbrauchten Kindern kennen."

So wie derzeit niemand sagen kann, wie es den Kindern in einigen Jahren gehen wird, sind auch die Prognosen über Christoph G. eher vage. Nach Angaben der Gutachterin Dr. Sylvia Leupold ist der Angeklagte homosexuell mit einer Vorliebe für Kinder und Jugendliche. "Bei dieser Ausrichtung gibt es keine Heilung", sagt die Gutachterin, "einige schaffen es allerdings, nach einer langen Therapie ihre Impulse zu kontrollieren."

"Wie sind die Chancen bei Christoph G.?", will der Vorsitzende Richter Albrecht Keimburg wissen; "Schwer zu sagen", antwortet die Expertin: "Das Pendel kann positiv ausschlagen, aber auch negativ."

Das Urteil in dem bundesweit für Schlagzeilen sorgenden Prozess könnte am Freitag nächster Woche fallen.

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