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"Antibiotika nur für kranke Tiere"

"Antibiotika nur für kranke Tiere"

Setzen die deutschen Bauern prophylaktisch Antibiotika ein, um zu verhindern, dass ihre Tiere krank werden? Das fragt TV-Redakteur Rolf Seydewitz den Präsidenten des Bauernverbands Rheinland-Nassau, Leo Blum.

Hähnchenfleisch aus den Regalen deutscher Supermärkte ist nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Was meint der Bauernverband: Panikmache oder ein echtes Problem?
Blum: Natürlich ist ein bisschen Panikmache dabei, aber die Kritik ist natürlich zum Teil auch gerechtfertigt. Wir wissen ja, dass es bei den großen Hähnchenmasten Probleme gibt. Man darf das mit der Kritik natürlich nicht so überziehen, dass der Verbraucher am Ende völlig verunsichert ist und kein Hühnerfleisch mehr isst. Bei uns in der Region wird ja überwiegend Milch und Fleisch produziert. Da werden Antibiotika über den Tierarzt nur eingesetzt, wenn Tiere krank sind. Aber nicht als Masthilfsmittel oder Ähnliches. Das gab es früher vielleicht bei der Kälbermast, aber heute auch nicht mehr. Deshalb ist die Kälbermast auch bei uns weg.
Das heißt: Es gibt keine prophylaktische Antibiotikagabe bei der Schweine- oder Rindermast?
Blum: Ganz klar nein! Das kann ich definitiv sagen. Die Milch wird ja jeden Tag auf Antibiotika kontrolliert. Antibiotika werden etwa bei Euter- oder Gebärmutterentzündungen vom Tierarzt gespritzt. Aber dann darf die Milch nicht abgegeben werden. Und Tiere dürfen nicht geschlachtet werden, wenn sie vorher Antibiotika bekommen haben. Dann muss das Tier im Stall bleiben, bis das Antibiotikum wieder abgebaut ist. Bei der Milch dauert das vier bis fünf Tage, beim Fleisch sind es etwa 40 Tage.
Aber jetzt sagt ja selbst Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner, dass zu viel Antibiotika gespritzt werden …
Blum: Wenn das beispielsweise in der Hähnchenmast tatsächlich prophylaktisch gegen Entzündungen oder Durchfallerkrankungen eingesetzt wird, ist es richtig, dass dagegen etwas unternommen wird. Antibiotika sollen eingesetzt werden, wenn ein Tier wirklich erkrankt ist, ansonsten nicht. Da sage ich ganz klar: Das kann nicht sein. sey
Extra

Leo Blum (65) ist seit 2000 Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Nassau. Der aus dem Vulkaneifelkreis stammende Blum ist zudem Mitglied im Präsidium des Deutschen Bauernverbandes. Vor vier Jahren wurde Leo Blum der Ehrentitel "Ökonomierat" verliehen. sey