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Apotheker wollen Geld für Beratung

Apotheker wollen Geld für Beratung

Die Apotheker wollen künftig ältere Patienten, die mehr Medikamente brauchen, ausführlich beraten. Für diese Zusatzleistungen verlangen sie ein zusätzliches Honorar. Das sollen die Krankenkassen bezahlen.

Trier. "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker." Diesen hinlänglich bekannten Spruch aus der Werbung wollen die Apotheker nun zu Geld machen. Sie wollen ihren Kunden eine umfassende Beratung anbieten, über die Wirkung der Medikamente, die sie enehmen, und über Therapiemöglichkeiten. Und diese Beratung wollen sie sich bezahlen lassen. Aber nicht von den Patienten, wie Theo Hasse, Apotheker in Zerf (Trier-Saarburg) und Vorsitzender des Landesapothekerverbandes, versichert. Die Krankenkassen sollen diese Leistung der Pharmazeuten bezahlen. Bei diesem neuen Leitbild, an dem die deutschen Apotheker derzeit arbeiteten, gehe es allerdings nicht nur um eine reine Auskunft eben über Risiken und Nebenwirkungen. Es gehe, so Hasse, um eine Therapiebegleitung.
Hintergrund sind die immer älter werdenden Patienten. Sie brauchen immer mehr Medikamente. Oft werden diese von verschiedenen Ärzten verschrieben.
Die Mediziner wüssten zumeist nichts von anderen Medikamenten, die die Patienten einnähmen, argumentieren die Apotheker. So könnten sie auch nicht die Wechselwirkungen und die damit zusammenhängenden Risiken einschätzen.
Hinzu kommt, dass viele Menschen zusätzlich zu den verschriebenen Mitteln noch frei verkäufliche Pillen und Pulver zu sich nehmen. 3,6 Milliarden Euro geben die Deutschen dafür aus. Laut Apothekerverbänden nimmt jeder Deutsche pro Jahr rund 1200 Arzneieinheiten, also etwa einzelne Tabletten, ein. Im vergangenen Jahr wurden jedem gesetzlich Versicherten im Schnitt 14 verschiedene Arzneimittel verschrieben.
Die Apotheker bieten nun an, dass Patienten, die wegen mehrerer Krankheiten behandelt werden und verschiedene Arzneimittel nehmen müssen, regelmäßig zu ihnen kommen, damit der Pharmazeut sie beraten kann. Hasse spricht von einem Medikationsmanagement. "Das ist eine neue Aufgabe, die wir übernehmen wollen. Diese muss aber auch zusätzlich honoriert werden", sagt Hasse.
Darüber müsse mit der Politik debattiert werden. Wie hoch das Honorar sein soll, müsse erst noch ausgehandelt werden, so der Chef der rheinland-pfälzischen Apotheker. Die Krankenkassen haben bereits signalisiert, dass sie nicht mehr Honorar für die Apotheken bezahlen werden.
Laut Hasse bekommen Apotheker pro verkauftem Medikament drei Prozent vom Einkaufspreis und pro eingelöstem Rezept eine Beratungspauschale von 8,35 Euro. Davon gingen aber 1,75 an die Krankenkassen. Eine ausführliche Therapiebegleitung, wie sie nun von den Apothekern gefordert werde, sei darin nicht enthalten.
Über das neue Leitbild ist vergangene Woche auf dem Apothekertag in Düsseldorf durchaus kontrovers diskutiert worden. Damit soll die Position der Apotheker als Lotsen im Gesundheitswesen gefestigt werden. "Wir betonen damit unsere Kernkompetenz", so Matthias Arnold, Vizepräsident der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände. Das, so die Apotheker, könnte wieder zu einer höheren Berufszufriedenheit führen.
In einem Punkt können die Pharmazeuten schon einen Erfolg verbuchen. Für die Notdienste am Abend, am Wochenende und an Feiertagen sollen sie künftig eine Pauschale von 180 Euro erhalten. Derzeit dürfen sie pro Patient, der im Notdienst in eine Apotheke kommt, 2,50 Euro Zuschlag auf das ausgegebene Rezept verlangen. Eine Pauschale gibt es derzeit nicht.Extra

20 Apotheken pro Jahr schließen in Rheinland-Pfalz. Entweder weil sie zu wenig verdienen, oder weil kein Nachfolger gefunden wird. Gab es 2004 noch 1137 Apotheken im Land, waren es im vergangenen Jahr nur mehr 1085. Ein Blick in die Region Trier: Zurzeit gibt es 25 Apotheken im Kreis Bernkastel-Wittlich, 24 im Eifelkreis Bitburg-Prüm, 14 im Vulkaneifelkreis, 37 in Trier und 31 in Trier-Saarburg. Den Hauptumsatz (79,5 Prozent) machen die Apotheken mit rezeptpflichtigen Medikamenten. Rezeptfreie Mittel machen elf Prozent aus. wie