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Arena Night of Music: Der Countdown läuft

Arena Night of Music: Der Countdown läuft

Mit dem Benefizkonzert Arena Night of Music geht heute Abend eine monatelange Vorbereitungsphase zu Ende. Noch nie waren so viele Musiker aus der Region an einem Projekt beteiligt, noch nie waren so viele Musikrichtungen in einer einzigen Show zu sehen. Ein Blick hinter die Kulissen, kurz vor Toresschluss.

Trier. So voll ist der Probenraum der Philharmoniker im ehemaligen Pfarrheim Christkönig in Trier-West nicht allzu oft. Die 45 Orchestermusiker haben eine ganz ordentliche Verdrängung, und die kleine Rockband nimmt bescheiden mit einem Eckplatz vorlieb. Auch die Solisten haben sichtlich Respekt vor dem massigen Klangkörper. Den Philharmonikern wiederum sieht man an, dass mancher sich fragt, was das denn werden soll mit diesen Rock-Musikanten. Doch das Fremdeln reduziert sich mit jedem Stück, das man zusammen probt. Bei manchen Sängerleistungen klopft das Orchester sogar Beifall. Man respektiert einander. Und mit dem gemeinsamen Anstehen vor der Kaffeemaschine wächst die Vertrautheit.
Dirk Klinkhammer fällt in dieser Runde auf den ersten Blick nicht auf. Oder höchstens dadurch, dass er etwas übernächtigt aussieht. Keiner, der sich demonstrativ nach vorne spielt - was nicht nur an seinem Instrument, dem Bass liegt. Doch vieles, was da in diesen Stunden im Probenraum passiert, trägt die musikalische Handschrift des studierten Tubisten, der eine private Musikschule im Eifelort Biersdorf betreibt und diverse Erfahrungen als Komponist und Arrangeur gesammelt hat.
Aber dass er die Schlüsselposition bei der Night of Music besetzen würde, hätte er vor einem halben Jahr wohl nicht einmal geahnt. Damals erzählte ihm sein Freund und Kollege Sebastian Matz von dem Projekt, das er gerade gemeinsam mit der Arena und dem Trierischen Volksfreund gestartet hatte. Nach dem frühen Tod von Sebastian Matz (siehe unten) entschied sich Klinkhammer, unterstützt von seiner Frau Michaela, die Arbeit fortzusetzen und die musikalische Leitung zu übernehmen. Aber um zwanzig Titel zu arrangieren, brauchte er dringend Unterstützung. Die fand er bei einem Freund und Bandkollegen aus Frankfurt.
Matthias Raue strahlt eine enorme Ruhe aus. Die meiste Zeit sitzt er im Probenraum, den Laptop vor sich, und schreibt Noten. "Sibelius" heißt das Programm, mit dessen Hilfe der Frankfurter Hochschulprofessor jene Zeichen setzt, die das Orchester in Klänge verwandeln soll.
Als Dirk Klinkhammer im Sommer mit dem Projekt Night of Music auf ihn zukam, war sein erster Gedanke: "Oh je, wie soll das gehen?". Eine gutes Dutzend Arrangements für Rockband und großes Orchester, mit etlichen Stimmen, und das innerhalb von drei Monaten? Ein irrer Auftrag. Da brauchte es einen mit allen Wassern gewaschenen Profi.
Seit 35 Jahren ist Raue im Geschäft, seit er Klaus Hoffmanns legendäres Live-Album "Ich will Gesang, will Spiel und Tanz" arrangierte und die Titelmelodie für die Kinder-Kultsendung Löwenzahn erfand. Musik für ein halbes Dutzend Tatorte hat der Mann mit dem markanten Kahlkopf geschrieben, bei etlichen Spielfilmen steht er im Abspann. Er wirkt nicht so, als ob ihn etwas leicht aus der Bahn wirft.
Victor Puhl sitzt während der Proben auf einer Art Hochstuhl. Ein Turm in der Schlacht quasi. Oft sieht es so aus, als fiele dem Generalmusikdirektor das Sitzenbleiben schwer. Die Musik reißt ihn sichtlich mit, aber am präzisen Rhythmus, den seine rotierenden Arme einer knappen Hundertschaft von Menschen anzeigen, hängt das Gelingen des gesamten Unternehmens. Da ist Konzentration entscheidend.
Kurze, knappe Ansagen zu bestimmten Notenstellen fliegen durch den Raum, ein Code, Expertensprache. Zum Glück sprechen die hier alle. Klassiker, Rockmusiker, Solisten: ausnahmslos Profis. Da braucht es nicht viele Worte. Schon in der zweiten Probe schält sich ein vielversprechendes Bild heraus. Victor Puhl wirkt entspannt.
Matthias Raue und sein Pianist Hajo Wiesemann, beide erfahren in der Kooperation mit Orchestern, sind begeistert von dem Trie rer Chef: Es sei "alles andere als selbstverständlich", dass ein klassischer Dirigent mit so viel Spaß und Kompetenz im Crossover-Bereich agiere.
Michaela Klinkhammer gehört zu den Menschen, die die Fähigkeit besitzen, Dinge zu strukturieren. Und die braucht man, wenn kurz vor einem Großereignis eine Unmenge von Fäden verknotet werden müssen. Proben wollen koordiniert, die Technik eingebunden, die visuelle Gestaltung realisiert werden.Arena-Night of Music Für meine hilfe zählt


Während im Probenraum der musikalische Motor immer mehr warmläuft, häufen sich im Büro die Fragen: Was macht das Video mit den Schulkindern zu "With a little help from my friends"? Sind die Tänzerinnen für die Bond-Nummer startklar? Kommen die Miezen für den gemeinsamen Einlauf mit den Solisten? Ist Guildo rechtzeitig zur Generalprobe da? Wann braucht man auf der Bühne welches Licht?
Machbar ist alles, die Technik-Jungs von Pro Musik können mit ihrem Riesen-Equipment alles - notfalls sogar zaubern. Aber passt das? So viele Fragen. So viele Entscheidungen.
Wolfgang Esser hat die wichtigste Entscheidung schon lange hinter sich. Anfang des Jahres beschloss der Arena-Chef, zum runden Geburtstag ein Riesen-Benefizfest zu machen. Dass die Night of Music ihn und sein Team um Christian Jostock und Julia Lewen in Atem halten würde wie kaum eine andere Veranstaltung im Jahr, war ihm schon damals klar. Unzählige Meetings hat es seither gegeben, Planungskonferenzen, Absprachen.
Es gelang, die Stadt und damit die Philharmoniker mit ins Boot zu holen - und vor allem ein Solisten-Aufgebot auf die Beine zu stellen, das geeignet war, die Halle zu füllen.
Am Ende musste die Arena angesichts der großen Nachfrage buchstäblich jeden Stuhl umdrehen, um auf 3800 Plätze aufzustocken. Mittwochabend haben die TBB-Basketballer noch gespielt - und gewonnen. Aber mit dem Schlusspfiff begann der Aufbau-Marathon, der bis Freitagmorgen dauert. Um 11 Uhr ist Generalprobe. Dann nicht mehr im Probenraum Christkönig. Diesmal ist es der Ernstfall.