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Atomtransporte: Nur wenige sind eingeweiht, wenn gefährliche Fracht durch die Region rollt

Atomtransporte: Nur wenige sind eingeweiht, wenn gefährliche Fracht durch die Region rollt

Die Bevölkerung erfährt offiziell nichts davon, wenn wieder einmal ein Atomtransport durch die Region führt. Aber auch die zuständigen Feuerwehren wissen in der Regel nichts davon. Nur wenige Behörden sind vorher eingeweiht.

Trier. Sie rollen weitgehend unbemerkt durch die Region: Atomtransporte. Bis zu 20-mal im Jahr fahren Züge mit Uranerz von Niedersachsen kommend über Koblenz, Wittlich, Trier, Konz und dem saarländischen Perl durch die Region. Darüber hat der TV bereits vor zwei Jahren berichtet. Auch darüber, dass die Feuerwehren entlang der Strecke nicht über die gefährliche Fracht informiert sind.Behörden nicht informiert

Geändert hat sich seitdem nichts. Die Transporte rollen weiter, die Behörden vor Ort werden nicht darüber informiert. Neu ist allerdings, dass das Land, anders als vor zwei Jahren, kein Geheimnis mehr daraus macht.
Das rheinland-pfälzische Energieministerium hat auf Anfrage unserer Zeitung die Transporte auf Straße und Schiene bestätigt. Demnach sind im vergangenen Jahr 70 Brennelemente-Transporte durch Rheinland-Pfalz gegangen. Typische Routen für die strahlende Fracht verliefen vom niedersächsischen Lingen aus Richtung Frankreich. "Die Routen führen nicht über Trier", versichert Susanne Keeding, Sprecherin des Energieministeriums.
Anders als bei Uranerz werden bei dem Transport von Brennelementen die zuständigen Behörden vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) informiert. Ohne eine Genehmigung des Bundesamts dürfen sich solche Atomtransporte nicht in Bewegung setzen. Es werde geprüft, ob die Ladung ausreichend gesichert sei, ob das Unternehmen, das den Transport in Auftrag nehme, zuverlässig sei, ob die Fahrer dafür entsprechend fachlich qualifiziert seien und ob es eine ausreichende Haftpflichtversicherung gebe, erklärt BfS-Sprecherin Monika Hotopp.

"Werden alle Voraussetzungen erfüllt, muss das Bundesamt die Genehmigung erteilen."
Nach dieser Genehmigung müssten die zuständigen Behörden in den betroffenen Bundesländern darüber wachen, "dass die gesetzlichen Anforderungen für die Sicherheit von Mensch und Umwelt eingehalten werden", sagt Hotopp.
Im rheinland-pfälzischen Energieministerium unterscheidet man bei Atomtransporten zwischen solchen von Kernbrennstoffen wie Brennelementen und dem angereicherten Uranhexafluorid und sonstigen radioaktiven Stoffen.
Über Transporte von Kernbrennstoffen muss das Lagezentrum des rheinland-pfälzischen Innenministeriums spätestens 48 Stunden vorher informiert werden.Meldung an die ADD

Von dort geht eine Meldung an das Energieministerium und an die für den landesweiten Katastrophenschutz zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier. Diese informiert dann die betroffenen Rettungsleitstellen, in der Region ist das die Leitstelle bei der Berufsfeuerwehr Trier. Laut Ministerium sind 31 Transporte von angereichertem Uranhexafluorid im vergangenen Jahr durch Rheinland-Pfalz gegangen.
Der Transport sonstiger radioaktiver Stoffe wie Uranerz oder nicht angereichertes Uranhexafluorid wird vom Eisenbahnbundesamt für den Weg via Schiene genehmigt. Für den Straßentransport dieser Stoffe sind in Rheinland-Pfalz die Struktur- und Genehmigungsdirektionen zuständig. Eine Anzeigepflicht bei weiteren Behörden sei nicht notwendig, sagt die Sprecherin des Energieministeriums.
Die Grünen im Bundestag verlangen seit längerer Zeit von der Bundesregierung, die Zahl der Atomtransporte durch Deutschland zu reduzieren. "Uranabbau und Urananreicherung müssen endlich weltweit gestoppt werden, damit keine gefährlichen Atomtransporte auch mitten durch dicht besiedeltes Gebiet mehr stattfinden", fordert das Antiatomnetz Trier, eine Gruppe von Atomkraftgegnern.Extra

Warum und für wen sind die Transporte ein Risiko? Uranhexafluorid ist zwar weder explosiv noch brennbar, bei Luftkontakt bildet es aber Flusssäure, die schon in geringen Dosierungen tödlich ist. Für Rettungskräfte kann es Lebensgefahr bedeuten, mangelhaft informiert an einem Unfallort einzutreffen. Flusssäure kann zudem zu stärksten Verätzungen von Haut, Knochen, Schleimhäuten und Augen führen. Die Säure löst selbst Glas auf. In der Industrie wird sie zum Ätzen von Glas und Metall verwendet. Mos