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Auch die Protestanten schnallen den Gürtel enger

Auch die Protestanten schnallen den Gürtel enger

Auch die Protestanten in der Region Trier rechnen für die kommenden Jahre mit sinkenden Kirchensteuer-Einnahmen und sind daher auf der Suche nach Einsparmöglichkeiten.

Trier. (sey) Fürs laufende Jahr kalkuliert die Evangelische Kirche im Rheinland (umfasst das Gebiet zwischen Saarbrücken, Hessen und Nordrhein-Westfalen) mit rund 560 Millionen Euro Kirchensteuer-Einnahmen. Das sind gut vier Prozent weniger als vor zwei Jahren. In zehn Jahren werden die Einnahmen nach Schätzungen bis auf 505 Millionen Euro zurückgehen.

In der Evangelischen Kirche gilt das Ortskirchensteuerprinzip. Das heißt, die Kirchensteuern fließen direkt in die Gemeinden. Im Kirchenkreis Trier, der etwa deckungsgleich ist mit dem ehemaligen Regierungsbezirk Trier, gibt es 22 Kirchengemeinden, in denen knapp 57 000 evangelische Christen leben. In diesem Jahr rechnen die regionalen Kirchengemeinden mit insgesamt 8,2 Millionen Euro Kirchensteuer-Einnahmen. Kirchenkreis und Landeskirche werden durch Umlagen finanziert.

Der finanzielle Druck wächst. "Angebote und Strukturen müssen sich verändern, wir müssen überlegen, was geht und was geht nicht mehr", sagt Superintendent Christoph Pistorius, der den Kirchenkreis Trier seit zehn Jahren leitet. Bereits beschlossene Sache ist, dass die Zahl der Pfarrstellen im Kirchenkreis in den nächsten fünf Jahren um vier auf dann 25 Stellen reduziert wird. Klar ist für den Superintendenten auch: Es wird in den nächsten Jahren unter den 22 Gemeinden weitere Fusionen geben; eher im Hunsrück, wo die Gemeinden schon von der Fläche her deutlich kleiner sind als etwa in der Eifel. Auch Kirchenschließungen sind laut Pistorius "ein Thema", auch wenn derartige Beschlüsse zunächst Sache der jeweiligen Kirchengemeinde seien. In Trier etwa, der mit mehr als 10 000 Mitgliedern größten regionalen Kirchengemeinde, soll sich das Gemeindeleben künftig rund um die Basilika konzentrieren. Die Christuskirche im Stadtteil Heiligkreuz soll demnach bis spätestens 2014 aufgegeben werden.

Nach Ansicht von Superintendent Christoph Pistorius wird dieser Strukturveränderungsprozess auch in den nächsten Jahren weitergehen, womöglich sogar noch an Fahrt gewinnen. Die Zusammenarbeit der Kirchenkreise werde immer wichtiger, sagt er, die einzelnen Gemeinden müssten künftig besser vernetzt werden, ihre Angebote aufeinander abstimmen: "Da muss noch mehr passieren."