Auch für Nebenjobs ein Experte

Auch für Nebenjobs ein Experte

TRIER. Oberbürgermeister Helmut Schröer beschreibt seinen ehemaligen Kämmerer Edgar Meyer als "Experten, dessen Fachwissen ein Glücksfall für Trier war". Aus den Reihen der Mitarbeiter des Rathauses stammt dagegen der Vorwurf, Meyer habe sich "viel Zeit für Dinge gelassen, die mit seiner Aufgabe nicht viel zu tun hatten".

Edgar Meyer, laut OB Schröer als Herr der Zahlen eine unersetzliche Größe im Trierer Rathaus, beendete mit seinem Abschied in den Ruhestand im Juli 2004 eine erfolgreiche Karriere. Er begann 1959 als Anwärter für den gehobenen Dienst und hörte als Stadtverwaltungsdirektor und damit als Beamter des höheren Dienstes auf. Am 1. Juni 1988 übernahm er die Leitung der Kämmerei, am 1. Januar 1999 wurde er Chef des Finanzcontrollings. Eine Reaktion aus dem Rathaus

Die Diskussion um die 50 000 Euro, die Meyer für seine 5300 Überstunden bekam, hat Proteste provoziert. Beamte, die von einer derart langfristigen Ansammlung und großzügigen Vergütung ihrer Überstunden nur träumen können, zeigen ebenso wenig Verständnis wie Angestellte der freien Wirtschaft. Es brodelt auch im Trierer Rathaus. Ein Mitarbeiter meldete sich bei unserer Zeitung und verriet Interna zur Überstunden-Affäre. "Man muss sich die Frage stellen, welche Aktivitäten in diesen zahllosen Überstunden gelaufen sind", sagt die Stimme aus dem Rathaus. "Herr Meyer hat regelmäßig Unterricht an der Gemeindeverwaltungsschule erteilt, der gesondert bezahlt und außerdem voll als Dienstzeit gewertet wurde." Die Verwaltung bestätigt diesen Vorwurf, und auch Meyer selbst nimmt Stellung. "Dieser Unterricht fand statt", sagt er. "Ich habe 1995 aufgehört, weil es zeitlich einfach zu eng wurde." Zwischen 54 und 66 Mark habe er damals pro Doppelstunde erhalten – abhängig davon, welcher Laufbahngruppe die unterrichteten Nachwuchskräfte angehörten. Nach TV-Informationen hat Edgar Meyer zwischen 1983 und 1995 genau 491 Doppelstunden unterrichtet, für die er nach diesen Angaben mindestens 13 750 Euro und höchstens 17 570 Euro erhalten hat. Nach einem im Rechnungsprüfungsausschuss der Stadt Trier nicht-öffentlich diskutierten Bericht lag die jährlich gezahlte Entlohnung für die Unterrichtsstunden stets unter der für Nebentätigkeiten erlaubten Höchstgrenze von damals 9600 Mark und war deshalb "ablieferungsfrei". Das heißt, dass es dafür keine Abzüge vom Gehalt gab. Der kommunalpolitische Sprecher der Grünen im Mainzer Landtag, Reiner Marz, fordert derweil, dass erneut überprüft wird, ob Meyer die Sondervergütung von 50 000 Euro wieder zurückzahlen muss. "Ich sehe keine Grundlage, auf welcher Herr Meyer die Sonderzahlung behalten darf", sagt Marz. "Wenn das Geld ohne Rechtsgrund geflossen ist, muss es zurückgezahlt werden. Jede andere Entscheidung wäre ein Schlag ins Gesicht von Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst." Marz verweist darauf, dass die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und die Trierer Staatsanwaltschaft bei ihren Untersuchungen zu entgegen- gesetzten Ergebnissen gekommen seien. Während die ADD offenbar von einem schutzwürdigen Interesse ausgehe, werte die Staatsanwaltschaft den gleichen Vorgang als möglichen Tatbestand der Untreue. "Dieser offensichtliche Widerspruch muss aus der Welt geräumt werden."