Auf dem Weg in die Realität

Auf dem Weg in die Realität Bevölkerungsschwund und Alterungsprozess, gesellschaftliche Verwerfungen und Bildungsdefizite: Es gibt viele gute Gründe und eine Menge Druck, sich familien- und bildungspolitisch umgehend auf den Weg zu machen. Doch das von der CDU geforderte neue Denken hat zwei Seiten. Es bezieht sich großenteils erst einmal auf die eigenen Reihen. Gerade die Union muss viel ideologischen Ballast abwerfen, um auf der Höhe der Zeit zu sein, ohne damit gleich hinter dem Zeitgeist herzuhecheln. Über Jahre haben die Christ-Demokraten an ihrem traditionellen Familienbild festgehalten, ohne wahr haben zu wollen, dass dieser Zug längst abgefahren ist. Die Familie ist immer noch Keimzelle der Gesellschaft, verfügt jedoch nicht mehr über die intakte, abgeschlossene Struktur, die es vor staatlichem "Zugriff" zu schützen gilt. Jetzt wird anerkannt, dass Betreuung in Krippen und Horten notwendig ist, um die Familie zu retten, dass Ganztagsschulen positive Bildungsansätze bieten und Staat und Wirtschaft gefordert sind, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu forcieren, wollen sie sich nicht die eigenen Grundlagen entziehen. Die Politik wird eine Menge Geld in die Hand nehmen müssen, wenn sie nachhaltig in Familien und Bildung investieren will. Doch nur unter diesem Blickwinkel wird künftig eine lebensfähige Gesellschaftsstruktur zu erhalten sein. Dabei steht nicht zuletzt das Schulsystem auf dem Prüfstand. Die Reformpläne der CDU für die Grundschule sind ein denkbarer Weg, den bisher abrupten Übergang von Kindergarten zu Schule fließender und gewinnbringender zu gestalten. Es wäre allerdings kaum im Sinne der Kinder, die Schulpflicht schlicht um ein Jahr vorzuverlegen. Vielmehr gilt, durch pädagogische Förderung einen besseren Start ins Schulleben zu ermöglichen. j.winkler@volksfreund.de