Auf den neuen Pontifex wartet ein harter Job

Auf den neuen Pontifex wartet ein harter Job

Vor 500 Jahren wurde gemordet und bestochen, um das Papstamt für die eigene Familie zu erringen. Heute gilt es als "Fallbeil" und als "Alptraum".

Rom. "Habemus Papam - Ein Papst büxt aus": So hieß 2011 Nanni Morettis filmische Geschichte: Michel Piccoli als frisch gewählter Pontifex, der die Last nicht tragen kann und ins römische Straßenleben flieht. Wer will es tatsächlich haben, das höchste Amt in der katholischen Kirche?
Als sich Benedikt XVI. unlängst von seinem römischen Klerus verabschiedete, sprach er etwa eine Stunde lang in freiem "Geplauder" über eines seiner zentralen Themen: das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965). Er unterschied zwischen dem echten, wahren Konzil und einem Konzil der Medien, dem "virtuellen Konzil", das das wirkliche Konzilsgeschehen zur Sensation verzerrt habe. Läuft im Konklave auch so ein Film ab? Das wahre Konklave, in dem der Heilige Geist sanft durch die Reihen weht und den Kardinälen beim Ausfüllen ihrer Stimmzettel über die Schulter schaut. Und das virtuelle Konklave der Medien, mit Intrigen, übler Nachrede und einem Wettlauf an die Macht?
Benedikt XVI. hat freimütig berichtet, wie an jenem 19. April 2005 "das Fallbeil" auf ihn niederging. Wie sehr er die Last des Amtes spürte, wurde zuletzt mehr als deutlich.

Den Papst zu stellen, war in Mittelalter und Renaissance Familiensache: Sie hießen Piccolomini, Medici, della Rovere, Borgia oder Farnese, Orsini oder Colonna. Die Mittel der Wahl waren mitunter handgreiflich.
Zusammenbruch und Notbremse


Die Zeiten, in denen man für das Amt gemordet und bestochen hat, sind wohl vorbei. Die Zeiten, in denen Päpste gelitten haben, sind dagegen so alt wie das Amt selbst. Der 33-Tage-Papst Johannes Paul I. brach 1978 unter der Last zusammen - Benedikt XVI. zog die Notbremse, bevor es gar nicht mehr ging. Ein Papst ist oft einsam - zumindest ist das stark anzunehmen. Die Stellenausschreibung 2013 für den Chefposten der katholischen Kirche mit ihren 1,2 Milliarden Mitgliedern ist undankbar: Möglichst jung und energisch soll er sein, dialogfähig und führungsstark, intellektuell und anpackend, progressiv und konservativ, charismatisch und fromm, sprachgewandt und telegen, theologisch wie politisch versiert, ein Experte für Verwaltung, modern und global anschlussfähig; gute Singstimme, mittlere Kleidermaße. Vor allem aber soll er die vatikanische Kurie von Grund auf reformieren. Wer kann den Job machen? Einer von ihnen wird sich am Ende den riesigen Erwartungen stellen müssen - und von der Mittelloggia des Petersdoms ein kirchliches "Yes, we can" sprechen.