1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

"Auf Populisten reagieren sie empfindlich"

"Auf Populisten reagieren sie empfindlich"

Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, hat Bundeswehrstandorte besucht, an denen sich Spezialkräfte auf Auslandseinsätze vorbereiten. Im Interview äußert er sich dazu.

Berlin. (wk) Wie ist angesichts der Entwicklung in Afghanistan die Stimmung in der deutschen Truppe? Mit dem Wehrbeauftragten Reinhold Robbe (SPD) sprach unser Korrespondent Werner Kolhoff.

In Afghanistan wird die Lage immer prekärer. Wie sieht die Truppe diesen Einsatz?

Robbe: Politisch wird darüber in der Bundeswehr genauso diskutiert wie in der ganzen Gesellschaft. Aber die Soldaten erfüllen ihren Auftrag und stellen ihn nicht infrage.

Empfinden die Soldaten, dass sie genug Rückhalt bekommen?

Robbe: Um Kundus herum finden fast jeden Tag schwere Gefechte statt. Die Soldaten haben ständig mit Verwundungen und Tod auf beiden Seiten zu tun. Vor dem Hintergrund sagen sie mir: Hier geht es im Moment nicht darum, Brunnen zu bohren oder Schulen zu bauen. Hier sind wir im kriegsähnlichen Zustand. Deswegen, und weil sie vom deutschen Bundestag hingeschickt wurden, erwarten sie mehr Empathie, also Mitgefühl, von den Mitbürgern in Deutschland.

Wen sehen Sie dafür in der Verantwortung?

Robbe: Ich frage mich etwa, warum sich unsere Intellektuellen nicht stärker mit den Erlebnissen der Soldaten auseinandersetzen. Bisher meidet die Bildungselite in Deutschland den Dialog mit ihnen. Man kann das aus unserer Geschichte heraus zum Teil erklären. Aber ich muss doch sagen: Wir haben eine demokratische Armee, die vom Parlament geführt wird und mit den Traditionen der Wehrmacht rein gar nichts mehr zu tun hat.

Selbst ein ehemaliger Verteidigungsminister, Volker Rühe von der CDU, nennt den Afghanistan-Einsatz ein Desaster.

Robbe: Die Soldaten wissen zwischen einer Debatte im politischen Raum und den militärischen Notwendigkeiten vor Ort sehr wohl zu unterscheiden.

Muss mancher Soldat nicht denken: Wir halten hier den Kopf hin, und zu Hause diskutieren sie, ob das überhaupt noch Sinn macht?

Robbe: Wie gesagt, politische Debatten wissen die Soldaten sehr gut einzuordnen. Sensibler reagieren sie auf populistische Erklärungen, etwa wenn einer den sofortigen Rückzug fordert und so auf billige Zustimmung in der Bevölkerung setzt. Gerade angesichts des Blutzolls, den der Einsatz gekostet hat, sind die Soldaten gegenüber demagogischen Äußerungen verständlicherweise sehr empfindlich.