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Kinder
Aufregung um Doktorspiele in einem Trierer Kindergarten

Trier. Eltern kritisieren Trierer Waldorf-Einrichtung scharf. Landesjugendamt macht Auflagen. Von Rainer Neubert
Rainer Neubert

In einer Gruppe des Waldorfkindergartens in Trier ist es in den vergangenen Jahren zu mehreren Vorfällen gekommen, die das Landesjugendamt zum Anlass genommen hat, aktiv zu werden. Die Eltern eines Jungen, der seit dem Frühjahr nicht mehr in der Einrichtung ist, erwägen eine Klage gegen zwei Erzieherinnen und den Trägerverein. Ihr Vorwurf: Gefährdung des Kindeswohls.

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Im konkreten Fall soll ein Kind im Vorschulalter, bei dem Verhaltensauffälligkeiten diagnostiziert worden waren, als Maßregelung alleine in den Personalraum des Kindergartens gesperrt worden sein. Weil dort eine Flasche mit Wasser zu Bruch ging, soll die Erzieherin B. mit dem Schlauchhalstuch des Jungen den Boden aufgewischt und es ihm wieder über den Kopf gezogen haben. Mit ihrer Kollegin N. soll dieselbe Erzieherin im Winter 2017/2018 den Jungen mehrfach alleine in den Garten des Kindergartens ausgesperrt haben.

Dem Trierischen Volksfreund sind die Namen aller Beteiligten bekannt. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und besonders zum Schutz der Kinder verzichten wir aber darauf, diese zu benennen.

„Unser Sohn ist tatsächlich sehr lebhaft“, sagt die Mutter des Jungen, die sich wie alle Eltern der Kinder im Waldorfkindergarten ehrenamtlich engagiert hatte. „Über die Gruppe, in der er war, hatten wir immer wieder Gerüchte über Vorfälle gehört.“ Wie sehr der Junge unter der Situation dort litt, sei spätestens im Dezember 2017 deutlich geworden, als er mehrfach von Selbstmord gesprochen habe. „Sein Selbstwertgefühl war völlig am Boden.“ Andere Eltern haben in Gesprächen mit unserer Zeitung ebenfalls über Vorfälle geklagt, die sich in den vergangenen Jahren ausschließlich in der von den Pädagoginnen B. und N. geleiteten Kita-Gruppe ereignet hätten. Bereits 2014 habe es einen Eklat wegen ausartender Doktorspiele gegeben. Im Dezember 2016 hätten sich ähnliche Vorfälle wieder gehäuft.

Als im April ein neuer Leiter für die Kita eingestellt wurde, schien sich die Situation zu verändern. Die beiden beschuldigten Erzieherinnen arbeiten seit Mai nicht mehr in der Einrichtung. Im Juni verließ allerdings auch der neue Leiter schon wieder die Einrichtung, nachdem ihm die Mehrzahl der verbliebenen Pädagoginnen in einem Brief ihr Misstrauen ausgesprochen hatte.

Das Landesjugendamt (LSJV) hat nach eigener Aussage Kenntnis von zwei Vorfällen im Kindergarten. Es liege eine Anzeige vor, bestätigt eine Sprecherin. „Im Zuge der Bearbeitung dieses Vorfalls wurde bekannt, dass es wohl bereits 2016 oder 2017 zu Übergriffen unter Kindern gekommen sein soll. Diese Vorfälle sind damals einrichtungsintern behandelt worden.“ Das Landesjugendamt habe nun Maßnahmen ergriffen, „damit zukünftig sichergestellt ist, dass sich solche Vorkommnisse nicht wiederholen. So wird unter anderem der Träger von einem externen Institut im Rahmen der Qualitätsentwicklung und -sicherung  begleitet.“

Auf die mehrfache Bitte unserer Redaktion um ein Gespräch hat der Trägerverein der Kita nicht reagiert. Die kurze schriftliche Stellungnahme der Vereins „Arbeits- und Förderkreis für Waldorfpädagogik“ veröffentlichen wir im Wortlaut: „Es ist nicht korrekt, dass wir auf Initiative des LSJV von einem externen Institut im Rahmen der Qualitätsentwicklung und -sicherung begleitet werden. Wir führen diese Arbeit bereits seit 1,5 Jahren mit dem Ziel, die Verwaltung und Organisation neu zu strukturieren. Weiterhin möchten wir höflich darauf hinweisen, dass die von Ihnen genannten Mitarbeiter schon seit längerem nicht mehr bei uns tätig sind. Auch haben wir von unseren Eltern aktuell über Vorfälle mit ,ausartenden Doktorspielen’ keine Kenntnis.“