Aufstand der Ärzte

Die Ärzteschaft gilt in unserem Land gemeinhin als gut betuchte Bevölkerungsschicht. Aber Arzt ist eben nicht gleich Arzt. Das zeigt sich in den jüngsten öffentlichen Protesten der Mediziner zahlreicher Universitätskliniken.

Die Ärzteschaft gilt in unserem Land gemeinhin als gut betuchte Bevölkerungsschicht. Aber Arzt ist eben nicht gleich Arzt. Das zeigt sich in den jüngsten öffentlichen Protesten der Mediziner zahlreicher Universitätskliniken. Von Spitzenverdiensten der gern zitierten Radiologen oder Schönheits-Chirurgen können die allermeisten von ihnen tatsächlich nur träumen. Marathon-Einsätze von 30 Stunden am Stück sind keine Seltenheit. Überhaupt wurde ihre Wochenarbeitszeit Stück für Stück nach oben geschraubt. Trotz eines Urteils des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 2003 sind Bereitschaftsdienste bis heute vielerorts nicht als Arbeitszeit anerkannt. Dabei verlangt der medizinische Beruf besonders hohe Verantwortung und Konzentration. Schließlich geht es um Menschen und nicht um Maschinen. Kurzum, schlechte Arbeitsbedingungen gehören leider zum Alltag in den Krankenhäusern der Republik. Und bei den Medizinern an den Unikliniken ist der Frust deshalb besonders groß, weil sie den Ländern unterstehen, welche die Tarifvereinbarungen für den Bund und die Kommunen bislang strikt ablehnen. Auch die Tatsache, dass sich der Protest auf die alten Bundesländer konzentriert, macht das Problem nicht kleiner. Im Osten gilt wegen laufender Verhandlungen noch vielerorts die Friedenspflicht. Längerfristig könnte der Ärzte-Aufstand in Hannover, Gießen und anderswo nur Vorbote flächendeckender Aktionen sein. Höchste Zeit also, dass sich die Landesregierungen bewegen. Das liegt nicht zuletzt im Interesse der Patienten. Immer mehr bestens qualifizierte Mediziner ziehen nämlich mittlerweile die attraktiven Arbeits- und Vergütungsbedingungen im Ausland vor. Auch das ist ein Mosaikstein der Globalisierung. nachrichten.red@volksfreund.de