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Aus fünf mach' eins: Modell für das Bistum?

Aus fünf mach' eins: Modell für das Bistum?

TRIER. Pfarrgemeinden sollen in Zukunft kooperieren oder sogar fusionieren ­ das ist eine der Vorgaben bei der Strukturreform des Bistums. Als ein unfreiwilliger Vorreiter in Sachen Reform gilt Pfarrer Heinz Brubach: Er hat fünf Innenstadt-Pfarreien zusammengeführt.

"1997 hab ich SOS gefunkt", erinnert sich Heinz Brubach. Damals war er Pfarrer der Trierer Pfarreien Liebfrauen, St. Gangolf und St. Agritius und es deutete sich an, dass er bald ­ Mitte 1999 ­ auch noch die Gläubigen in den Pfarreien St. Antonius und St. Paulus zu seinen Schäfchen zählen durfte. Was ihm Kummer machte, war nicht so sehr die Aussicht, für regelmäßige Gottesdienste in fünf Kirchen sorgen zu müssen ­ dafür erhielt er aus dem Generalvikariat ausreichend Unterstützung. Was ihn eher schreckte, war die Aussicht, die Verwaltung von fünf Pfarreien koordinieren zu müssen: Fünf Pfarrgemeinde- und fünf Verwaltungsräte. "Da wäre ich nur noch am Rumeiern, um zu gucken, dass die Strukturen stimmen", fürchtete Brubach. Außerdem: Gerade in den Innenstadtpfarreien sei in den Räten überall über die gleichen Themen geredet worden. Wenig erquicklich für den Priester, den aber vor allem bekümmerte, dass Fragen der Seelsorge immer weiter in den Hintergrund rückten. Ehegespräche, Taufgespräche, direkter Kontakt mit Gläubigen ­ dafür blieb kaum Zeit.Pfarrgemeinderatswahl: "Eine Farce"

Hinzu kam: "Wir hatte nicht nur Priester-, sondern auch Gläubigenmangel." Die Zahl der Pfarrangehörigen ging zurück, und immer weniger interessierten sich überhaupt noch für die Kirche. "Wahlen zu den Pfarrgemeinderäten waren eine einzige Qual", erinnert sich Brubach. So hätten in St. Gangolf von 700 Pfarrangehörigen nur 90 bei den Gemeinderatswahlen ihre Stimme abgegeben. Sechs Mitglieder waren zu wählen, mit Müh und Not fanden sich sechs Kandidaten. "Das war eine Farce", sagt Brubach. Verwaltung statt Seelsorge, weniger engagierte Christen ­ Probleme, die Brubach sicher mit vielen Priester teilt. Die Lösung, die er für seine Gemeinden vorschlug, dürfte bei vielen anderen aber auf Widerstand stoßen: Bischof Hermann Josef Spital löste die fünf Pfarreien auf und gründete zum 15. Dezember 2000 die Pfarrei Liebfrauen-Trier neu. Motto: Aus fünf mach' eins. St. Gangolf, eine Pfarrei mit einer über 1000-jährigen Geschichte ­ aufgelöst. St. Agritius, eine gut funktionierende Gemeinschaft ­ als Pfarrei verschwunden. Angesichts dessen war zu erwarten, dass die Diskussion darüber ein "schmerzvoller Prozess" wurde. Es habe vor allem Ängste vor dem Verlust der Identität gegeben, sagt Brubach. Und die reichen Pfarreien hätten um ihr Erspartes gebangt."Die reißen uns die Kirche ab"

Selbst den möglichen Abriss einer Kirche ­ St. Paulus ­ hätten einige Kritiker ins Feld geführt. Zwei ehrenamtliche Mitarbeiter einer Pfarrei hätten sich nach dem Fusions-Beschluss ganz zurückgezogen, andere ihr Engagement zurückgenommen. Doch heute, gut ein Jahr nach der Neugründung, seien die meisten wieder mit im Boot. Und die Vorteile der Fusion zeigten sich deutlich, sagt Brubach. Ein Pfarrgemeinde- und ein Verwaltungsrat übernehmen die Arbeit, die vorher zehn Gremien oft doppelt machten. Den Seelsorgern bleibt mehr Zeit für ihre eigentlichen Aufgaben. Bei den Wahlen zu den Räten gab es mehr als doppelt so viele Kandidaten wie Plätze, und vertreten sind nach der ersten Wahl nun immer noch Mitglieder aus allen ehemaligen Pfarreien. Lange überfällige Bau-Arbeiten können dank der gemeinsamen Kasse endlich angegangen werden. "Das war die richtige Entscheidung", sagt Brubach, "da sind viele Kräfte frei gesetzt worden." Die Fusion ­ ein Modell für das ganze Bistum? "In ähnlichen Räumen bestimmt", sagt Brubach. Und er meint nicht nur die Großstädte wie Koblenz und Saarbrücken, wo ähnliche Diskussionen längst im Gange sind, sondern durchaus auch Gemeinden auf dem Land. "Oft liegen Pfarreien mit ein paar Hundert Gläubigen nur ein paar Kilometer auseinander, und ihre Gremien beschäftigen sich im Prinzip mit den gleichen Problemen." Für die Ängste vor Identitätsverlust hat Brubach zwar Verständnis, doch: "Die sollen halt nicht so tun, als lebten sie auf weit entfernten Kontinenten."