Ausbildung kommt an Uni zu kurz

Ausbildung kommt an Uni zu kurz

Mehr Studienqualität durch mehr Anerkennung für die Lehre, fordert der Wissenschaftsrat. Ein Ungleichgewicht zwischen Forschung und Lehre moniert auch der Trierer Uni-Präsident Peter Schwenkmezger. Die Ausbildung an den Hochschulen ist nach seiner Meinung dennoch besser als ihr Ruf.

Mainz. Neues Denken bei den Hochschullehrern, Professoren mit dem Schwerpunkt "Lehre" und ein Ende des Vorrangs für die Forschung: Der Wissenschaftsrat dringt auf eine stärker als bislang auf Ausbildung ausgerichtete Hochschullandschaft. Studienqualität ist dabei ein zentrales Thema, sagte der Vorsitzende des Rates, Professor Peter Strohschneider, bei einer Podiumsdiskussion zum "Tag der Lehre" im Mainzer Landesmuseum.Professoren mit Schwerpunkt Lehre

Seine Empfehlungen laufen darauf hinaus, dass Professoren mit Schwerpunkt Lehre eingestellt werden, um die Qualität der Ausbildung zu verbessern und das in den nächsten Jahren vorhergesagte bundesweite Ansteigen der Studentenzahlen von 1,9 auf 2,7 Millionen zu bewältigen.Auch Lehren an der Hochschule kann gelernt werden, schrieb Strohschneider seinen Professoren-Kollegen ins Stammbuch und machte einen deutlichen Rückstand Deutschlands im internationalen Vergleich aus. Statt schlicht auf Charisma des Lehrenden zu setzen, braucht es für ihn eine stärkere Professionalisierung. Mit einem entsprechenden Umbau der Personalstruktur in Richtung Lehre werde auch manche Reputationshierarchie ins Wanken geraten, glaubt Strohschneider. Der Trierer Uni-Präsident Peter Schwenkmezger räumte zwar ein, dass es ein Ungleichgewicht zugunsten der Forschung gebe. Doch aus seiner Sicht ist die Ausbildung besser als ihr Ruf. Bei Professorenberufungen spielt der Faktor Lehre nach seinen Angaben eine zunehmend wichtigere Rolle. Im Gespräch mit dem TV wies Schwenkmezger darauf hin, dass in Trier die Studienqualität deutliche Unterschiede aufweist - zwischen kleineren Fächern wie den Altertumswissenschaften Archäologie, Papyrologie oder alte Geschichte und überlasteten Fachrichtungen wie Politik oder Pädagogik.Entlastung verspricht sich der Präsident vom Hochschul-Sonderprogramm des Landes, das in den nächsten Jahren 25 neue Stellen für die Trierer Uni bringt. Damit wird die Unterfinanzierung nach seinen Worten zwar nicht schlagartig beseitigt. Doch es verbessert die Betreuungsrelation zwischen Professoren und Studenten deutlicher als der bereits angelaufene Hochschulpakt. Der bringt zwar insgesamt 18 neue Stellen über vier Jahre, aber auch rund 660 zusätzliche Plätze für Studienanfänger. Mit dann 14 500 Studenten ist die ursprünglich für die Hälfte ausgelegte Hochschule dann aber auch laut Schwenkmezger"am Ende der Fahnenstange". Derzeit sind Zulassungsbeschränkungen bis auf die Fächer Psychologie und Medienwissenschaften aufgehoben. Ob dies allerdings längerfristig gilt, ist offen. "Wir müssen ausbilden und Qualität bieten", so der Präsident. Das rege Informationsbedürfnis der Studenten bereits vor der Einschreibung zeigt, dass die Hochschulen untereinander im harten Wettbewerb stehen und der Studienort immer stärker nach Studienbedingungen ausgewählt wird.

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