Balla balla

Der Ball ist wund: kein Tag ohne tränensackiges Gemaunze über die unterirdische Qualität der deutschen WM-Kicker, kein Tag ohne verbale Blutgrätschen gegen den Trainer-Novizen Jürgen Klinsmann, kein Tag ohne verunglückte Bananenflanken der ungezählten Besserwisser, die aus der Tiefe des Raumes vorpreschen und ihre Weisheiten unters Volk bringen - ungestüm, ungebremst, ungefragt.

Geschrei und Geseire allerorten. Untergangsstimmung. Schluss mit dem Gebraus! Denn die Rettung ist nah. Angela Merkel, einzige Lichtgestalt in Deutschland einig Jammerland, wechselt sich selbst ein, um das vermeintlich bereits verlorene Spiel zu drehen. Im Amtseid hat sie schließlich geschworen, ihre Kraft dem Wohle des deutschen Fußba... ähh des deutschen Volkes zu widmen und Schaden von der Nationalmannschaft zu wenden oder so ähnlich - so wahr ihr Gott helfe! Nun, manche glauben an den Fußballgott, andere glauben, dass Politiker das halten, was sie versprechen. Und so erfüllt Frau Merkel gewissenhaft ihre Pflicht. Versöhnt die beiden Streithähne Beckenbauer und Klinsmann zu einer großen Koalition. Hinter den Kulissen der Macht geht das so: Kanzlerin und Kaiser - zwei glanzvolle Regenten, als K&K-Doppelspitze geradezu unschlagbar - nehmen den fintenreichen Querdenker Klinsmann in die Zange und treiben ihm die Flausen aus. Diesem kalifornischen Ferndiagnostiker, der so stur an seiner Strategie festhält, der ein Eigentor nach dem anderen schießt, der offenkundig beratungsresistent ist - und der zuletzt im Wahlkampf noch brav für Schröder, den Absteiger, gedribbelt hat. Ha! Wer nicht mitmacht bei der Koalition der Willigen, dem droht die Ersatzbank. Denn das Runde muss ins Eckige, egal wie. Und wenn nichts mehr hilft, packt Merkel, die Alleskönnerin, eben die Brechstange aus. Sie weiß, wie man einer Truppe von Rumpelfüßlern die Siegermentalität einhaucht. Sie weiß, wie man den Gegner in die Defensive drängt. Sie kann sogar die Abseitsregel erklären (stimmt's, Herr Stoiber?). Ihr Jugendidol war Johan Cruyff. Und sie hat angekündigt, dass sie Ballack & Co. nach dem WM-Endspiel in der Umkleidekabine beglücken wird, zu einem "geeigneten Zeitpunkt" selbstverständlich. Wenn es sich lohnt, für etwas zu kämpfen - dann dafür! p.reinhart@volksfreund.de

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