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Banken sollen Griechenland retten helfen

Banken sollen Griechenland retten helfen

Banken und Versicherungen sollen sich an der Griechenland-Rettung beteiligen - allerdings nur absolut freiwillig. Wie soll das funktionieren? Der TV beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wie will die Politik private Gläubiger mit ins Boot holen?
Die EU-Finanzminister wollen private Gläubiger beteiligen. Die Formulierungen seien aber widersprüchlich, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Auf der einen Seite schreiben sie, dass die Privaten auf freiwilliger Basis beteiligt werden sollen und so ein selektiver Zahlungsausfall Griechenlands vermieden werden soll. Auf der anderen Seite fordern die Finanzminister eine substanzielle Reduktion des griechischen Finanzbedarfs, zu der es realistischerweise aber nur kommt, wenn zumindest sanfter Druck auf die Investoren ausgeübt wird."

Und wie reagieren die Banken?
Die Banken geben sich zurückhaltend. Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Michael Kemmer, sagte, die "beschlossene Freiwilligkeit bei der Beteiligung der Gläubiger" sei notwendig, um gefährliche Kettenreaktionen zu verhindern. Die Banken seien sich ihrer Verantwortung bewusst und würden sich für eine tragfähige Lösung einsetzen. Gleichzeitig verlangte Kemmer aber: "Zusätzliche Anreize, wie zum Beispiel eine bessere Bonität durch gewisse Sicherheiten würden bei der Lösung ebenso helfen, wie eine breite politische Unterstützung des Reformkurses in Griechenland."

Welche Anreize könnten das sein?
Etwa Staatsgarantien. Sollten sich Politik und Banken auf diese Formel einigen, wäre der Sinn der privaten Beteiligung allerdings zweifelhaft. Bei einem Zahlungsausfall Athens müsste der Steuerzahler geradestehen.

Dürfen Geschäftsbanken, Versicherer oder Pensionsfonds sich überhaupt darauf einlassen, fällige Anleihen eines pleitebedrohten Landes durch neue zu ersetzen?
Das kommt darauf an. Die Vorstände müssen abwägen, wie sie das der Bank oder Versicherung von Kunden und Anteilseignern anvertraute Kapital am besten schützen. Sie dürfen nicht sehenden Auges Milliarden verbrennen.

Wie also geht der deutsche Vorstoß, die privaten Gläubiger zugunsten der Steuerzahler zu beteiligen, am Ende aus?
Das steht noch nicht fest. Die Banken haben sich zu Gesprächen bereiterklärt. Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer ist überzeugt, dass die EU-Finanzminister die neuen Kredite für Griechenland mit einem möglichen Volumen von bis zu 120 Milliarden Euro am Ende nur "mit dem vagen Appell garnieren" werden, in Griechenland investiert zu bleiben: "Die Anleihegläubiger werden an den Kosten eines Rettungspakets substanziell erst dann beteiligt, wenn sich die Lage in den anderen Peripherieländern in vielleicht ein oder zwei Jahren entspannt hat." Dann könne Griechenland den Rest des Euroraums nicht mehr anstecken. "Es würde ernst für Griechenland und seine öffentlichen und privaten Gläubiger."

Warum können die Laufzeiten griechischer Anleihen nicht verlängert werden, um Zeit zu gewinnen?
Weil Ratingagenturen dies als Zahlungsausfall - also als Staatspleite - bewerten würden, weil damit dokumentiert würde, dass Griechenland seine Schulden nicht fristgerecht zurückzahlen kann. Das will die Europäische Zentralbank als ein Hauptgläubiger Griechenlands vermeiden.

Ist ein Verzicht der Gläubiger auf Teile ihrer Forderungen denkbar?
Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner warnt davor: "Nicht alle Finanzinstitute sind auf einen Haircut (Schuldenschnitt) vorbereitet. Ich fürchte eine Kettenreaktion, die Europa weiter in die Krise treibt."