Beamten-Biotop

Nach der Steuer-Debatte, der Elite-Debatte und der Putzfrauen-Debatte nun also die Beamten-Debatte. Alljährlich trifft sich der Deutsche Beamtenbund (dbb) in Bad Kissingen - und das sagt schon vieles, wenn nicht alles: Die unterfränkische Kleinstadt ist ein gemütlicher Kurort, ein Hort der Beschaulichkeit.

Spötter würden sagen: Genau das Richtige für Staatsdiener. Allerdings kommen die Beamten in der Regel nicht zur Erholung, sondern zum Schimpfen. Diesmal ist das anders. Der dbb hat nicht nur einen neuen Chef (Peter Heesen), sondern offenbar auch ein neues Bewusstsein. Man sträubt sich nicht mehr grundsätzlich gegen Reformen, sondern fordert sie sogar. Das ist klug, hat es sich doch bis in die muffigsten Amtsstuben herum gesprochen, dass etwas faul ist im Staate Deutschland. Und wer mitarbeitet, kann eben auch mit gestalten, anstatt sich gestalten zu lassen. Insofern wählt Heesen den richtigen Ansatz. Wie weit seine Reformfreude allerdings geht, wird sich zeigen. Wenn der dbb an den "althergebrachten Grundsätzen” festhalten will, kann er es gleich ganz bleiben lassen. Das Problem ist jedenfalls nicht allein mit einer "leistungsgerechten Bezahlung” zu lösen, zumal die Leistung eines Gymnasiallehrers oder eines Schutzpolizisten schwer zu definieren ist. Letztlich wird aber nicht der dbb über die Zukunft des Beamtentums entscheiden, sondern der Deutsche Bundestag. Das ist allerdings auch ein Beamten-Biotop - der Sonderklasse. nachrichten.red@volksfreund.de